Das Paradoxon von Flexibilität vs. Inflexibilität
Flexibilität, ob in Form von Anpassungsfähigkeit in Alltag und Beruf oder auch in Form von körperlicher Beweglichkeit, wird oft als eine wichtige Eigenschaft angesehen. Flexibel sein liegt im Trend, vor allem in unserer sich schnell verändernden Zeit und das aus gutem Grund. Flexibilität hat jedoch auch einige Nachteile. Insbesondere wenn es um das Erreichen größerer längerfristiger Ziele geht.
Hier ist oftmals Inflexibilität eine entscheidende längerfristige Strategie. Denn das ständige Flexibelsein kostet Willenskraft, Entscheidungsakku und Fokus. Vor allem Willenskraft und der Entscheidungsakku sind wie ein Muskel, der müde und leer wird, wenn man ihn konstant gebraucht. Deshalb sollte man bei wichtigen Entscheidungen aus Prinzip entscheiden, nicht regelmäßig neue Optionen abwägen.
Mehr Optionen haben und mehr abwägen ist eine Strategie, die dem Erreichen größerer längerfristiger Ziele im Weg steht.
Historisches Beispiel: Hernán Cortés und das Eliminieren von Optionen
Vor einigen Jahren habe ich ein sehr gutes Beispiel beim Schweizer Autor Rolf Torbele dazu gelesen. Im Jahr 1519 erreichte der spanische Eroberer Hern Cort von Kuba kommend die K Mexikos Kurzerhand erkl er Mexiko zu einer spanischen Kolonie und sich selbst zum Gouverneur Daraufhin lie er alle seine Schiffe versenken und nahm sich und seiner Truppe so die M zur Rückkehr. Warum hat er sich und seinen Männern den Rückweg in die Heimat verbaut? Warum hat er komplett auf Alternativen verzichtet?
Warum hat er sich nicht Optionen offen gelassen? Ganz einfach. Je mehr Optionen zur Verfügung stehen, desto mehr Entscheidungen müssen getroffen werden und desto mehr geht der Fokus verloren. Nur eine Option zu haben, bedeutet keine großen Entscheidungen und voller Fokus auf das eine Ziel.
Anwendung im Krafttraining: Westside Barbell
Im Krafttraining ist ein gutes Beispiel das Westside Barbell Gym von Louis Simmons in Columbus, Ohio. Dort wird zwölf Monate im Jahr ausschließlich auf das primäre Ziel Maximalkraft trainiert. Es gibt keine Phasen, in denen Explosivkraft, Hyperdrophie oder Kraftausdauer im primären Fokus stehen, sondern es geht immer in allererster Linie um Maximalkraft. Das ist ein wichtiger Grund, warum es bei Westside 24 Athleten gibt, die über 360 Kilo Kreuzheben gemacht haben.
Durch radikale Inflexibilität lassen sich längerfristige Ziele erreichen, die durch flexibles Verhalten nicht oder nur schwer zu erreichen sind. Inflexibilit spart einen Haufen Zeit und Entscheidungen Flexibilit ist bei wichtigen l und vor allem h Zielen die mehr Invest ben kein Vorteil sondern eher eine Ablenkung
Die Kosten ständiger Veränderungen für den Trainingsfortschritt
Wer im Training h Ziele hat, der wird diese seltenst in drei bis sechs Monaten erreichen. Gerade im Krafttraining brauchen die meisten drei bis fünf Jahre und länger, um ein respektables Level an Maximalkraft aufzubauen. Innerhalb eines Jahres zwei- bis dreimal die Richtung, um das Trainingsziel zu wechseln, führt zu unspezifischem Training und damit zu kaum längerfristigem Fortschritt. Ich habe in der Praxis zu viele Beispiele gesehen, die konstant trainieren, jedoch heute genauso stark sind wie vor drei Jahren.
Damals 140 Kilo Kniebeugen, heute immer noch 140 Kilo Kniebeugen. Fortschritt Zero. Um von 140 Kilo Kniebeugen auf 180 bis 200 Kilo Kniebeugen zu kommen, brauchen die meisten etwa ein Jahr strukturiertes, fokussiertes Training. 60 Kilo in einem Jahr mehr sind genau genommen nur gut ein Kilo pro Woche mehr. Das ist nicht viel, wenn man tatsächlich jede Woche ein Kilo mehr macht und nicht konstant Trainingssysteme und Trainingsziele wechselt.
Wer sich von Trainingsprogramm zu Trainingsprogramm stets neu entscheiden muss was jetzt trainiert wird b Willenskraft ein und wird sich leicht f die bequemste Variante entscheiden Was meistens hauptsache irgendwas Neues und anderes ist Und neu und anders ist meistens zu weit weg um weiterhin auf das gro Ziel fokussiert zu sein Konstante Inflexibilität signalisiert einem selbst, wo man steht und wo es nichts zu verhandeln gibt. Mit sich selbst oder mit anderem.
Business-Strategie: Warren Buffetts Verzicht auf Nachverhandlungen
Der legendäre Investor Warren Buffett zum Beispiel verzichtet prinzipiell auf die Option des Nachverhandelns. Wenn jemand eine Firma oder Anteile einer Firma an ihn verkaufen will, kann er genau ein Angebot abgeben. Falls er es als kein gutes Investment ansieht und ablehnt, kann man es gar nicht nochmals versuchen. Buffett hat sich so den Ruf der Inflexibilität eingehandelt und damit sichergestellt, dass er den besten Dealangeboten kommt und keine Zeit mit Verhandlungen verschwendet.
Fazit: Inflexibilität als langfristige Strategie
Das Fazit ist, Flexibilität hat sicher seine Vorteile, insbesondere in Zeiten, die sich schnell verändern. Am Ende ist jedoch, wenn es um das Erreichen größerer längerfristiger Ziele geht, Inflexibilität entscheidend. Ein Ziel, ein Fokus, Konstanz und Progression mit minimaler Ablenkung. In diesem Sinne, viel Erfolg mit der Inflexibilität als längerfristige Strategie und bis zur nächsten Episode.