TWUP 26

TWUP 26 — Beef mit Veganern: Ökologie

Die Episode analysiert die ökologischen Auswirkungen der Nutztierhaltung im Vergleich zur pflanzlichen Landwirtschaft und hinterfragt gängige Statistiken zu Treibhausgasemissionen. Wolfgang Unsöld argumentiert für eine differenzierte Betrachtung von Massentierhaltung versus nachhaltiger Weidehaltung und beleuchtet die Rolle von Wiederkäuern im natürlichen Nährstoffkreislauf.

Kernpunkte

Moderne Landwirtschaft vs. Massentierhaltung

Vorab muss ich klarstellen, dass Massentierhaltung sowie moderne Landwirtschaft und Monokulturen nicht ökologisch nachhaltig und längerfristig sinnvoll sind. Ökologie ist das Zusammenspiel zwischen Lebewesen der Natur. Und beide Seiten leiden nachweislich unter Massentierhaltung und moderner Landwirtschaft. Beides Massentierhaltung und moderner Landwirtschaft, bei der unter anderem Großmaschinen und chemische Düngemittel, Pestizide, Insektizide, Fungizide und Herbizide zum Einsatz kommen, sind jedoch keine 100 Jahre alt.

Der Mensch hat in der Geschichte konstant bewiesen, dass er lernt und bessere Lösungen findet, wenn sich herausstellt, dass Innovationen, die für den Moment Lösungen waren, sich längerfristig als keine wirkliche Option herausstellen. Und aus meiner Sicht und der Sicht der Wissenschaft gehören Massentierhaltung und moderne Landwirtschaft genau dazu. Neben den moralisch-ethischen sowie den vermeintlich positiven physiologischen Aspekten sind die ökologischen Aspekte der primäre Grund, warum Veganer sich entscheiden, keine tierischen Produkte zu konsumieren, um so gegen die Massentierhaltung vorzugehen.

Save the Planet ist oft das Motto. Was sich natürlich sehr logisch anhört, ist jedoch im Detail nicht ganz so logisch und tatsächlich zielführend. Vorab ist natürlich entscheidend, dass aus Sicht der Ernährung zwei primäre Aspekte die Ökologie beeinflussen. Neben der Massentierhaltung ist es die moderne Landwirtschaft.

Ohne moderne Landwirtschaft ist es heute nicht möglich, ausreichend Kalorien und Nährstoffe zu produzieren, um die Weltbevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Wenn wir keine Tiere mehr konsumieren, lösen wir vermeintlicherweise das Problem Massentierhaltung. Das Problem moderner Landwirtschaft wird jedoch nicht kleiner. Das Gegenteil ist der Fall, es wird im Umkehrschluss noch größer.

Treibhausgasemissionen und die PNAS-Studie

Ein ökologisches Argument, das man meist als erstes hört, ist, dass ein kompletter Verzicht an Konsum von tierischen Produkten und die damit verbundene Reduktion von Treibhausgasemissionen ein wichtiger ökologischer Schritt sei. Eine Studie, die im PNAS Journal veröffentlicht wurde, zeigt jedoch auf, dass ein Modell ohne jegliche Viehzucht die Treibhausgasemissionen in den USA nur um etwa 2,6% reduzieren würden. Dieses theoretische Modell wies jedoch auch darauf hin, dass in diesem Szenario gleichzeitig dann jedoch nicht mehr die Versorgung der US-Bevölkerung mit Nahrung sichergestellt sei, so dass entweder mehr Landwirtschaft betrieben werden oder mehr Nahrung importiert werden muss, was dadurch wieder zu weiteren Treibhausgasemissionen führt.

Dieses Beispiel zeigt klar, dass Ökologie keine einfache 1 plus 1 gleich 2 Rechnung ist. Im Sinne von Viehzucht trägt es zu drei Hausgasemissionen bei, also stellen wir Viehzucht ein und somit werden die Treibhausgasemissionen reduziert. Das ist faktisch in relevanter H und vor allem in Anbetracht der Alternativl bzw Opportunit nicht die L

Kritik an den Emissionsstatistiken der Tierhaltung

Zu den Treibhausgasemissionen und Tierzucht gibt es eine Studie die sehr viel Aufmerksamkeit bekam, da sie ergab, dass die Tierproduktion für etwa 18% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Ein größerer Anteil als der Sektortransport mit allen Flugzeugen, Zügen und Autos zusammen, welcher bei etwa 15 Prozent liegt. Dr. Frank Mittlöhner, ein Wissenschaftler mit Abschluss an der Universität Leipzig, der aktuell an der UC Davis in Kalifornien arbeitet, kritisierte diese Aussage in einer Studie öffentlich und wies auf eine Fehlberechnung hin.

Das primäre Problem, auf das Dr. Mittlöhner hinwies, war, dass diese Studie eine sogenannte vollständige Lebenszyklusanalyse für die Tierhaltung durchgeführt hat. Mit anderen Worten, es summierte alle Emissionen, die mit Viehzucht in Verbindung stehen, wie unter anderem Düngemittelproduktion, Landnutzungsänderung und mehr. Für den Transportsektor tat sie dies jedoch nicht, indem sie die Emotionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe umfasste, nicht aber beispielsweise aus dem Automobil- oder Straßenbau.

Mittlöner erklärte, dass dies zu einem klassischen Apfel-Orangen-Vergleich zwischen den beiden Sektoren geführt hat. Der leitende Autor dieser Studie gab mittlerweile öffentlich zu, dass diese veröffentlichte Statistik irreführend war.

Vergleich globaler Emissionsdaten

Im Vergleich dazu zeigen aktuelle Daten, dass Viehzucht in den USA zu 3,9 und weltweit zu 5 Prozent zu den Treibhausgasemissionen beiträgt. Im Vergleich dazu verursacht Transport alleine etwa 15 Prozent der Treibhausgasemissionen im statistischen Schnitt. In dichter besiedelten Staaten, wie zum Beispiel Kalifornien, beträgt Transport jedoch sogar bis zu 50% der Treibhausgasemissionen. Und in Summe tragen Transport, Industrie und die Produktion von Elektrizität etwa 80% der Treibhausgasemissionen weltweit bei.

Zahlen, die den Aspekt Ökologie und Viehzucht klar in ein anderes Licht rücken.

Tierfutter und landwirtschaftliche Nebenprodukte

Ein ökologisches Argument, das man ebenfalls oft hört, ist, dass ein Großteil der Landwirtschaft Nahrung für Tiere produziert. Auch dieser Aspekt ist leider wie die Welt durch einen Strohhalm zu betrachten. Die meisten Futtermittel werden nicht speziell für die Tierhaltung angebaut. Sie sind ein Nebenprodukt von Überproduktionsprozessen.

Die Beseitigung von Vieh würde also die Nahrungsversorgung der Menschen nicht wirklich erhöhen. Zum Beispiel wird Soja hauptsächlich zur Herstellung von Sojaöl angebaut, das in allen Arten von verarbeiteten, raffinierten und auch veganen Lebensmitteln verwendet wird. Der Verbrauch von Sojaöl hat sich seit 1900 vertausendfacht und Sojaöl macht heute 60% des Verbrauchs an essbaren Pflanzenöl alleine in den USA aus. Der Sojakuchen, der bei der Herstellung von Sojaöl entsteht, ist weniger wertvoll und wird direkt an Tiere verfüttert.

Dasselbe gilt auch für andere Pflanzen, wie zum Beispiel Rapskuchen, der bei der Produktion von Rapsöl entsteht.

Wiederkäuer als effiziente Nährstoff-Upcycler

86% dessen, was Rinder fressen, ist für den Menschen ungenießbar. Dazu gehören Gräser und Blätter, Heu, Futterpflanzen, Öl- und Samenkuchen und andere nicht essbare Nebenprodukte. Wenn wir diese Produkte nicht an Rinder verfüttern, würden sie zerfallen und auch auf diesem Weg Treibhausgase produzieren. Rinder wandeln zudem Energie aus für den Menschen nicht genieß- und verdauerbare Pflanzen in für den Menschen genieß- und verbaubare Lebensmittel um.

So stellt ein Rind quasi selbst Makron wie Protein aus Gras und Mikron wie Vitamin K2 aus Vitamin K1 her Rinder und auch andere Tiere sind somit sehr effiziente Upcycler Sie wandeln Lebensmittel, die für den Menschen entweder nicht essbar oder nährstoffarm sind, in eine der hochwertigsten und nährstoffdichtesten Lebensmittel um, die wir essen können. Ebenfalls eignen sich ein Großteil der Böden nicht für die Landwirtschaft und den Anbau von Getreide, Reis, Mais, Soja und Kartoffeln. Dort wächst jedoch vor allem Gras, das von Tieren gefressen wird. Viehzucht ermöglicht die Nutzung dieser Flächen, die sich für Landwirtschaft nicht eignen.

Was zu einer optimaleren Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Flächen insgesamt führt.

Mythen zum Wasserverbrauch in der Fleischproduktion

Ein weiterer ökologischer Mythos über die Umweltauswirkung der Fleischproduktion ist, dass die Herstellung von Fleisch eine enorme Menge an Frischwasser benötigt. Es kursiert die Behauptung, dass man etwa 15.000 Liter Wasser braucht, um ein Kilo Rindfleisch zu produzieren. Selbst bei konventionellem Rindfleisch ist der überwiegende Teil etwa 94% des zur Herstellung verwendeten Wassers sogenanntes grünes Wasser. So wird Regenwasser bezeichnet, das im Boden gesteichert ist.

Dieses Wasser nehmen Pflanzen während der Wachstumsphase auf und über die Pflanzen konsumieren die Tiere dieses Wasser. Die restlichen 6% sind blaues Wasser, das sowohl in der Industrie als auch im häuslichen Gebrauch zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten benutzt wird. Dieses Wasser wird auf Oberflächengewässern wie Bächen, Flüssen und Seen oder dem Grundwasser entnommen. Und teilweise aus grauem Wasser, das während dem Gebrauch so stark verunreinigt wird, dass es als unbrauchbar gilt und die Menge, die im Prinzip dazu nötig wäre, das verschmutzte Wasser so weit zu verdünnen, dass das Wasser wieder die Qualitätsstandards erreicht.

Pflanzenschutz und Düngemittel sind häufige Ursachen für die Verschmutzung, die jedoch mehr mit Landwirtschaft als mit Viehzucht in Verbindung stehen. Bei weiter Rind stammt ein noch höherer Prozentsatz, etwa 97% des Wassers, aus Regen und nur 3% stammen aus Bewässerung, also blauem und grauem Wasser. Somit benötigt selbst konventionelles Rind nur etwa 900 Liter blaues und graues Wasser pro Kilo, was weniger als die Menge ist, die benötigt wird, um 1 Kilo Avocados, Mandeln, Walnüsse, Reis oder Zucker herzustellen. Außerdem gibt es genau genommen so etwas wie den Verbrauch von Wasser nicht wirklich.

Wasser durchläuft grundsätzlich immer einen Zyklus. Bei Tieren wird das Wasser primär als Urin wieder an das Land zurückgeführt. Das sind die drei häufigsten ökologischen Argumente. Die Treibhausgasemissionen, die Ineffizienz durch Produktion von Tierfutter durch Landwirtschaft und der Wasserverbrauch.

Diese spielen basierend auf Fakten klar eine Rolle. Basierend auf den Fakten ist der Effekt jedoch bei weitem nicht so groß und relevant wie oft propagiert.

Der natürliche Nahrungskreislauf

Darüber hinaus ist aus meiner Sicht der Grundgedanke der Ökologie. die entscheidende Basis dafür, warum Fleischkonsum grundsätzlich aus ökologischer Sicht nicht nur vertretbar, sondern sogar entscheidend ist. Ökologie ist wie zu Beginn schon erwähnt, das Zusammenspiel zwischen Lebewesen und der Natur. In Bezug auf Nahrung ist hier sicher eines der größten Missverständnisse unserer Zeit die Existenz einer Nahrungskette und die Idee, dass der Mensch an der Spitze dieser Nahrungskette steht, was faktisch falsch ist. Jeder Mensch wird irgendwann selbst Nahrung.

Primär für Bakterien und Würmer, die jeden Bestandteil des Menschen, Haut, Haare, Muskeln, Organe und Knochen in Erde verwandeln. Die Nährstoffe dieser Erde werden dann primär von Pflanzen absorbiert. Der Gro der Pflanzen und die in ihnen gespeicherten N werden dann von Tieren und ein Teil der Pflanzen auch direkt vom Menschen aufgenommen Der Mensch erh seine N durch Pflanzen und Tiere und gibt diese N dann wieder an die Erde ab So ist es keine Nahrungskette, sondern ein Nahrungszyklus. Ein Nahrungszyklus, der über Millionen von Jahren optimiert wurde.

Unter anderem durch die Entdeckung des Feuers, die Entwicklung der Landwirtschaft und die Kultivierung unserer Ernährung.

Tiersterben im Pflanzenbau

Neben diesen primär ökologischen Punkten ist mir sicher noch ein Punkt wichtig, der von der Ökologie in den Bereich Moral und Ethik übergeht. Regelmäßig höre ich die Aussage, ich esse keine Tiere, somit müssen für mich keine Tiere sterben. Auch das mag sich logisch anhören, ist es jedoch definitiv nicht. Eine Studie aus dem Jahr 2018 betrachtete die Auswirkungen der Pflanzenzucht auf den Tod von Tieren.

Mit dem Ergebnis, dass in den USA alleine etwa 7 Milliarden Tiere jedes Jahr direkt und indirekt durch Landwirtschaft und Pflanzenzucht getötet werden. Diese Statistik beinhaltet neben dem Tod von Mäusen auch Vögel, die durch Pestizide getötet werden, Fischsterben durch Düngemittelabfluss, sowie Reptilien- und Amphibienvergiftungen durch den Verzehr giftiger Insekten. Der Autor Matthew Evans präsentiert in seinem Buch On Eating Meat ebenfalls Hochrechnungen, die zeigen, dass in Australien jedes Jahr etwa eine Milliarde Tiere durch Landwirtschaft getötet werden. Und im letzten Jagdjahr wurden allein in Deutschland über 830.000 Wildschweine erlegt, mit dem primären Ziel, die Landwirtschaft durch von Wildschweine verursachten Wildschweden an Getreide und Mais zu schützen.

Fazit und Ernährungsempfehlungen

Ganz gleich, ob wir Tiere direkt zum Konsum töten oder nicht. Neben der Landwirtschaft gibt es viele Faktoren wie Umweltverschmutzung und Zivilisation, durch die Tiere direkt und indirekt durch jeden, der auf diesem Planeten lebt, umkommen. Es ist damit Teil der Ökologie. Die Welt durch einen Strohhalm zu betrachten, ist kein ganzheitlicher und damit tatsächlicher Lösungsansatz.

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte waren wir in einer solch privilegierten Situation wie der heutigen Zeit, tatsächlich erlaubt, dass die Idee komplett auf tierische Lebensmittel zu verzichten ermöglicht. Privilegien zu missbrauchen ist jedoch kein intelligenter und nachhaltiger Ansatz. Tiere sind ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung und unserer Ökologie. Eine rein pflanzliche Ernährung ist ausschließlich im Rahmen moderner Landwirtschaft möglich.

Und moderne Landwirtschaft bringt neben der Massentierhaltung viele physiologische und ökologische Nachteile mit sich. Ziel muss eine fortschrittlichere, nachhaltigere und ökologischere Viehzucht und definitiv auch eine fortschrittlichere, nachhaltigere und ökologischere Landwirtschaft sein. Ein Teil eines großen Ganzen zu dämonisieren, ist keine Lösung. Das hat die Geschichte mehr als einmal gezeigt.

Tierische Lebensmittel sind nährstoffreiche und essentielle Bestandteile der Ernährung des Menschen, zusammen mit pflanzlichen Lebensmitteln. Deshalb empfehle ich grundsätzlich eine Ernährung, die halb vegan und halb carnivore ist, quasi eine 50-50-Diät, Tier und Pflanze. Und aus beiden Gruppen die in der jeweiligen Situation bestmögliche Qualität mit den geringsten möglich verarbeitenden Lebensmitteln aus der bestmöglichen, nachhaltigen und ökologischen Aufzucht und Anbau. In diesem Sinne viel Erfolg mit der bestmöglichen, nachhaltigsten und ökologischsten Ernährung, die für dich in deiner Situation möglich ist, im Rahmen des so wichtigen Prinzips Progression vor Perfektion.

Bis zur nächsten Episode. Vielen Dank.

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