TWUP 24

TWUP 24 — Beef mit Veganern: Physiologie

Die Episode analysiert die physiologischen Aspekte der veganen Ernährung kritisch und sachlich als Reaktion auf den Film 'The Game Changers'. Wolfgang Unsöld erläutert, warum er eine 50-50-Mischkost aus tierischen und pflanzlichen Quellen empfiehlt und wo die biologischen Grenzen einer rein pflanzlichen Ernährung liegen.

Kernpunkte

Vegan-Hype und 'The Game Changers'

Die vegane Ernährung ist in letzter Zeit populärer und mehr diskutiert als je zuvor. Vor allem durch den sehr gut produzierten Film The Game Changers stellen sich mehr und mehr die Frage, ob eine vegane Ernährung tatsächlich für Sie eine gute Ernährung ist. Das ist eine Frage, die für jeden individuell beantwortet werden kann und muss. Im Idealfall basierend auf Fakten und Erfolgen.

Ich empfehle grundsätzlich keine vegane Ernährung. Ich sehe doch ganz klar Vorteile einer veganen Ernährung. Und definitiv sehr viele Vorteile davon Pflanzen zu essen.

Das Konzept der 50-50-Diät

Um diese Vorteile einer veganen Ernährung und vor allem die Vorteile davon Pflanzen zu essen zu nutzen, empfehle ich grundsätzlich eine 50-50-Diät. Halb vegan, halb Carnivor. Halb Pflanze, halb Tier. Ich kenne einige Personen, die sich vegan ernähren und für die eine vegane Ernährung gut funktioniert.

Drei der ersten sieben Gäste dieses Podcasts ernährten sich zum Zeitpunkt der Aufnahme des Podcasts mit ihnen vegan.

Rationale Analyse statt emotionaler Debatte

Ziel dieser Episode ist es nicht, Veganer zu konvertieren oder gar eine hitzige Diskussion zu starten. Beides ist weder sonderlich produktiv noch tatsächlich zielführend. Ziel dieser Episode ist es, einige der häufigsten Gründe für eine Ernährung ohne jegliche tierische Produkte und deren rationalen sowie wissenschaftliche Basis zu beleuchten. Denn schlecht recherchierte Inhalte, die sehr eindrucksvoll und selektiv präsentiert werden, wie es in The Game Changers der Fall ist, haben kurzfristig einen relativ großen Effekt auf die Meinungsbildung, jedoch führen längerfristig statistisch zu relativ weniger Folgen und oft zu mehr Paralyse durch Analyse, anstatt tatsächlich mehr Klarheit und Fokus.

Der Begriff Beef im Titel dieser Folge wird sicher von vielen Hörern mit dem Begriff Beef in Form der verbalen Auseinandersetzung des Hip-Hops, vor allem in den 90er Jahren assoziiert. Ziel dieser Episode ist auch kein Beef im Sinne einer aggressiven Auseinandersetzung. Es ist mehr eine subtile Auseinandersetzung mit dem Thema veganer Ernährung, der Gültigkeit der oft verwendenden Argumente und ein kleines Appell an rationale Logik und final den Fokus auf Erfolg und Fortschritt. Quasi mehr Jay-Z's Takeover, weniger cool Savages das Urteil.

Auch wenn beides Meisterwerke ihrer Situation sind, es geht mir weniger darum, die vegane Ernährung zu beerdigen, sondern mehr ihr einen Platz zuzuweisen, in dem sie ihre Vorteile am besten ausspielen kann. Es geht mir darum warum eine vegane Ern ausgezeichnet ist wenn man ein St Tier dazu isst Quasi ein St Beef zur veganen Mahlzeit Die 50 halb vegan halb Carnivore halb Pflanze halb Tier

Statistiken und biochemische Individualität

Vorab sind mir noch zwei Punkte sehr wichtig, um das Thema Ernährung, im Speziellen die vegane Ernährung in ein rationales Licht zu rücken. Zum einen, auch wenn der vegane Trend ein großer scheint, die Zahlen sagen, dass nur etwa 1% der Deutschen vegan leben und über 80% der Veganer weniger als ein Jahr vegan sind. bevor sie wieder tierische Produkte essen. Und zum anderen, es gibt keine einzige Ernährungsform, die für jeden funktioniert. Aufgrund biochemischer Individualität, unterschiedlichen Genotypen und auch unterschiedlichen Zielen variieren Ernährungsformen, die zum Ziel führen und vor allem Leistungsfähigkeit, Wohlbefinden und Gesundheit unterstützen, zwischen einzelnen Personen stark.

Natürlich gibt es aus statistischer Sicht bestimmte Ernährungsformen für bestimmte Ziele, wie zum Beispiel einen Low-Carb-Ansatz zur Gewichtsreduktion, die grundsätzlich sehr zuverlässig funktionieren. Jedoch eben nie in jedem einzelnen Fall. Jeder, der überzeugt ist, dass eine einzelne Ernährungsform für alle die beste ist, steht in der Entwicklung seiner eigenen Ernährungskompetenz noch auf einer recht niedrigen Stufe. Dogmen sind destruktiv.

Individualisierung ist entscheidend.

Physiologie, Ökologie und Moral

Alle Gründe, die für eine Ernährung frei an tierischen Produkten verwendet werden, können grundsätzlich in drei Kategorien eingestuft werden. Zum einen die ernährungsphysiologischen Gründe, quasi warum tierische Produkte gesund oder nicht gesund sind. Zum anderen die ökologischen Gründe, warum Tiere einen negativen Effekt auf die Ökologie, das Zusammenspiel zwischen Lebewesen und Natur auf unserem Planeten haben, sowie die moralisch-ethischen Gründe. Ich betrachte in dieser Folge und der nächsten ausschließlich die beiden Kategorien Physiologie und Ökologie.

Da Moral, die Werte basierend auf denen wir handeln, sowie Ethik die Auslegung dieser Werte, sehr individuell sind. Schließlich ist es nur wenige hundert Jahre her, dass es für viele moralisch vollkommen vertretbar war, Frauen, die als Hexen identifiziert wurden, auf dem Scheiterhofen zu verbrennen. Moral und Ethik sind so zwei Themen, über die man lange Diskussionen führen kann und es mehr um die eigene Position als um rationale sowie wissenschaftlich begründbare Fakten geht. Ernährungsphysiologie und Ökologie hingegen sind sehr gut erforscht und belegt.

Deshalb mein Fokus auf diese beiden.

Evolution: Landwirtschaft vs. Jäger und Sammler

Wenn wir die Ernährungsphysiologie hinter der veganen Ernährung betrachten, ist der allererste Punkt, die Evolution unserer Ernährung, ein entscheidender. Denn Menschen in seiner aufrechtgehenden Form gibt es je nachdem welche Berechnungen wir betrachten seit etwa 1 Millionen Jahren Landwirtschaft gibt es je nach Region seit etwa 6 Jahren Moderne Landwirtschaft seit weniger als 100 Jahren Der entscheidende Punkt hier ist, dass es uns nicht möglich ist, ohne Landwirtschaft ausreichend Kalorien und Nährstoffe aus Pflanzen zu gewinnen, um ein Überleben und die Entwicklung zu sichern. So waren wir vor der Entwicklung der Landwirtschaft, also über 99% der Zeit unserer Existenz, auf tierische Lebensmittel als Energie- und Nährstoffquelle angewiesen.

Erst mit Landwirtschaft und durch die Verarbeitung von Pflanzen sind wir in der Lage, größere Mengen an Kalorien und Nährstoffen aus Pflanzen aufzunehmen. Tierische Kalorien sind damit rein evolutionär die Grundlage für das Überleben und die Entwicklung der Menschen. Erst durch die Landwirtschaft werden pflanzliche Kalorien in relevanten Mengen zugänglich gemacht. Über 99% unserer Existenz als Mensch waren tierische Nährstoffe und Kalorien die Basis unserer Ernährung.

Anatomischer Vergleich der Verdauungssysteme

Was direkt zum nächsten wichtigen physiologischen Fakt führt. Der menschliche Verdauungstrakt ist darauf ausgelegt, tierische Lebensmittel, insbesondere Fleisch und Fisch zu verdauen. Deshalb haben wir Magensäure. Reine Pflanzenfresser hingegen haben bis zu 6 Mägen und wirken ebenfalls den schon teilweise verdauerten Mageninhalt wieder hoch, um ihn nochmals zu kauen, um mehr Nährstoffe aus den Pflanzen zu gewinnen.

Daher auch der Begriff Wiederkäuer. Das machen wir Menschen nicht.

Der Gorilla-Vergleich und die Gehirnentwicklung

Neben mehreren Mägen haben Pflanzenfresser auch einen deutlich längeren Verdauungstrakt in Relation zum Gehirn. Das klassische Beispiel in diesem Bereich ist der Gorilla. Der Gorilla isst nur Pflanzen und ist trotzdem groß, muskulös und stark. Ein Vergleich, der keinen Sinn macht.

Zum einen ist der Mensch aufgrund seines größeren Hirns, vor allem im Vergleich zur Größe des Magen-Darm-Trakts, deutlich intelligenter darin, Nahrung und Kalorien zugänglich zu machen. Wir verwenden Zubereitungsmethoden wie Kochen, Braten, Grillen und Besteck, um deutlich effizienter Nahrung zu uns zu nehmen. Ein Corilla hingegen isst 20-30 Kilo Pflanzen pro Tag und verbringt mehr als die Hälfte seiner Wachstunden mit deren Verzehr und hat einen deutlich größeren Verdauungstrakt, der ihm erlaubt, diese Pflanzen in Energie umzuwandeln. Wir Menschen sind imstande und physiologisch dafür ausgelegt, mit deutlich weniger Aufwand und mit unserem effektiveren Verdauungstrakt deutlich effizienter Nährstoffe durch die Verdauung von tierischen und bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln, so gehören Gras und Blätter zum Beispiel nicht dazu, zu uns zu nehmen.

Essentielle Nährstoffe und Mangelerscheinungen

Der dritte primäre physiologische Grund, warum tierische Lebensmittel für den Menschen entscheidend sind ist die Versorgung mit bestimmten N die durch eine rein pflanzliche Ern insbesondere wenn man nicht auf stark verarbeitete Lebensmittel oder Supplements zur kaum bis gar nicht m ist Das sind N wie Vitamin B12 das prim von Bakterien im Tierdarm hergestellt und dann von Menschen prim durch Fleisch aufgenommen wird was auch damit nachgewiesen wird, dass jemand, der kein Tier isst, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit einen B12-Mangel hat. Ebenso ist es Vitamin K2, das ebenfalls von Tieren zuerst aus Pflanzen als K1 absorbiert und dann im Tier in das für den Menschen relevante Vitamin K2 umgewandelt wird.

Oder Kreatin, ein wichtiger Stoff, der zur Produktion der Energie auf Zellebene entscheidend ist. Kreatin wird oftmals mit Krafttraining in Verbindung gebracht, spielt jedoch genau genommen in allen Zellen bei der Energieproduktion eine entscheidende Rolle. Und ein Verzicht auf tierische Produkte verringert nachweislich den Kreatinlevel, da der Effekt von supplementiertem Keatin erhöht wird. Ein Verzicht auf tierische Produkte verringert nachweislich ebenfalls das Level an Carnosin, ein Stoff, der auf Zellebene den Säurebasenhaushalt bzw. den pH-Wert reguliert und so vor allem bei Training im Lactazidenbereich die Leistung steigert.

Die Aminosäure Taurin, die vor allem im Nervensystem wichtige Aufgaben übernimmt und nachweislich in einer veganen Ernährung ohne Supplementierung nahezu nicht existent ist, Ebenfalls sorgt eine Ernährung ohne tierische Produkte nachweislich für einen geringeren Spiegel an Vitamin B6, Methionin und Zystein, sowie die wichtigen Elemente Zink und Eisen, deren primäre Quelle beidesmal ebenfalls tierische Produkte sind. Selbiges gilt auch für Omega-3-Fette, gesättigte Fette und Cholesterin, deren primäre Quellen ebenfalls tierische Herkunft sind. Das sind einige Beispiele von Nährstoffen, die wir primär aus tierischer Nahrung beziehen und die nachweislich in einer Ernährung ohne tierische Lebensmittel in zu geringem Maße vorkommen.

Für alle Punkte, bei denen ich den Begriff nachweislich verwende, gibt es ausführliche Referenzen und Studien in chronologischer Reihenfolge in den Shownotes zu dieser Folge auf wolfgangunzelt.de.

Zusammenfassung und Ausblick

Das war eine kurze Übersicht über die ernährungsphysiologischen Argumente, aufgrund denen tierische Lebensmittel ein wichtiger und teils sogar essentieller Bestandteil der menschlichen Ernährung sind, sowie meine Sichtweise und deren evolutionäre und physiologische Grundlage, die diese Argumente aus rationaler und fundierter Sicht betrachten. In diesem Sinne, viel Erfolg beim weiteren Nachdenken zu diesem Thema und bis zur nächsten Episode.

Diese Episode anhören

Hast du eine Frage zu dieser Episode?

Frag AskTNT →