Definitionen von Ausdauer und Kondition
Ausdauer ist ein Begriff, von dem viele reden. Und ich sehe hier konstant zwei große Probleme oder Hürden. Zum einen, die wenigsten können Ausdauer klar definieren. Mehr als ein, wenn man schnell aus der Puste ist, hat man eine schlechte Ausdauer, ist selten drin.
Und das ist weit entfernt von einer klaren Definition. Und zum anderen, Ausdauer ist die überbewertetste aller sportspezifischen Qualitäten. Warum? Weil Ausdauer in den wenigsten Sportarten notwendig und entscheidend ist.
In den meisten Sportarten ist stattdessen Kondition entscheidend. Die logische Frage hier, wo liegt der Unterschied zwischen den beiden? Da die Grundlage aller sinnvollen Erklärungen eine klare Definition der verwendenden Begriffe ist, Hier die Definitionen der Begriffe Ausdauer und Kondition. Ausdauer ist die Fähigkeit, eine bestimmte Belastung mit minimaler Ermüdung aufrecht zu halten.
Ein klassisches Beispiel ist ein Marathon, bei dem es entscheidend ist, zwei Plusstunden mit minimaler Ermüdung am Stück zu laufen. Auf der anderen Seite, Kondition, im Englischen auch oft als Conditioning bezeichnet, ist die Fähigkeit, eine bestimmte Belastung mit minimaler Ermüdung zu wiederholen. Ein klassisches Beispiel ist der Fußball, wo es entscheidend ist, dass die Ermüdung zwischen dem ersten und dem letzten Sprint eines Spiels und natürlich allen dazwischen so gering wie möglich ist. Die absolute Mehrheit der olympischen Team- und Kampfsportarten sind zyklisch.
Das bedeutet, bestimmte Belastungen müssen wiederholt werden. So muss ein 100-Meter-Sprinter seine Leistung in Viertel, Halb und dann auch im Finale wiederholen. Ein Werfer hat 6 Versuche pro Wettkampf und ein Gewichtheber 3 Versuche pro Disziplin. Sinkt die Leistung von Versuch zu Versuch zu sehr, ist die Kondition der limitierende Faktor.
Analyse der Laufleistung im Fußball
Ein extensiveres Beispiel ist Fußball. Je nach Position läuft ein Feldspieler pro Spiel 8-12 km. Eine Zahl, die viele schon mal gehört haben und die auch oftmals gerne in Fernsehübertragungen präsentiert wird, um den Zuschauer zu beeindrucken. Denn es ist für viele eine beeindruckende Zahl.
Jedoch genau genommen ist die Distanz nicht viel mehr als ein zügiger Sonntagsspaziergang. 10 km in 105 Minuten, das sind 90 Minuten Spielzeit plus 15 Minuten Halbzeitpause, entsprechen einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 6 Stundenkilometern. Das n Mal wenn du im Gym bist stell dich aufs Laufband und stell die Geschwindigkeit auf 6 km ein Das ist nicht viel mehr als ein Z wie ein Sonntagsspaziergang 10 km in 105 Minuten ist keine Leistung. 10 km in 30 Minuten ist deine Leistung. Sprich, die Gesamtleistung in einem Spiel ist weitestgehend irrelevant und körperlich nicht besonders fordernd.
Bedeutung der Sprintschnelligkeit und Krafttraining
Was relevant ist, ist die Sprintleistung über kurze Distanzen. Von den ca. 10 km rennt der Spieler im Schnitt primär zwischen 400 und 1200 m über 85% seines Top Speeds. Die restlichen 8-10 km sind gehen, traben, laufen und damit aus körperlicher Sicht kaum spielrelevant. Entscheidend sind diese 400-1200 m.
Die durchschnittliche Sprintdistanz in einem Fußballspiel beträgt ca. 17 m. Sprints über 30 Meter, das ist etwa die Distanz von Mittellinie bis Strafraumgrenze, kommen sehr selten vor. Und die entscheidendste Distanz ist die von 0 bis 5 Meter. Es ist der berühmte Schritt schneller.
Interessanterweise zeigen Spielerstatistiken aus der englischen Premier League, dass die Spieler mit dem höchsten Gehalt, unabhängig von der Position, eines gemeinsam haben. Sie sind die schnellsten über 0 bis 5 Meter. Die nächste logische Frage ist, wie steigere ich meine Sprintschnelligkeit über 0 bis 5 Meter? In erster Linie via Krafttraining.
Das wird auch in der Leichtathletik eindrücklich bewiesen. Elitewerfer, die deutlich höhere Maximalkraftwerte als Sprinter haben, schlagen konstant Elite-Sprinter über 0 bis 5 Meter. Denn Maximalkraft ist primär für den Antritt, die erste Beschleunigung und Sprinten über solche kurze Distanzen entscheidend.
Kondition als entscheidender Faktor im Sport
Für mehrere Sprints hintereinander benötigen wir jedoch Konditionen. Die Fähigkeit, diesen Sprint mehrfach ohne übermäßige Ermüdung zu wiederholen. Bei einer durchschnittlichen Sprintdistanz von ca. 17 Meter und einer spielrelevanten Gesamtdistanz von 400 bis 1200 Meter sind dies rechnerisch pro Spiel 24 bis 70 Sprints. Wenn man von der gleichmäßigen Belastungsdichte ausgeht, ist es eine Belastung über 2 bis 3 Sekunden, gefolgt von 120 bis 4 Minuten Pause.
Was ist in diesem Fall aus körperlicher Sicht spielentscheidend? Ausdauer oder Kondition? Entscheidend sind diese 24-70 Sprints innerhalb von 90 Minuten Spielzeit mit minimaler Ermüdung zu wiederholen. Entscheidend ist Kondition, nicht Ausdauer.
Da Ausdauer aufgrund der kurzen Belastungszeit im Fußball irrelevant ist. 10-60 Minuten am Stück zu laufen, hat eine sehr geringe Korrelation mit der Fähigkeit, 24 Sprints a ca 17 Meter innerhalb von 90 Minuten mit minimaler Erm zu wiederholen
Inverse Korrelation zwischen Ausdauer und Sprintleistung
Es ist sogar so dass die Sprintleistung und Kondition inverse proportional mit der Ausdauer korrelieren Sprich, je besser die Ausdauer, desto schlechter Sprintleistung und deren Kondition. Ein Moped fährt lange, kann jedoch kaum beschleunigen. Ein Dragster kann beschleunigen, fährt jedoch nicht lange. Entscheidend ist zu identifizieren, Was muss ich für meinen Sport oder für meine Aufgabe aus körperlicher Sicht sein?
Ein Moped oder ein Dragster oder etwas zwischendrin? Am Ende ist es ein weiterer Grund, der entscheidend ist, warum für jeden Sport identifiziert werden muss, ob primär Kondition oder Ausdauer für diesen Sport notwendig sind.
Differenzierung: Ausdauer bei hoher vs. geringer Intensität
Wer Ausdauer noch genauer betrachtet, dem fällt wahrscheinlich auf, dass es genau genommen zwei Formen der Ausdauer gibt. Zum einen gibt es Ausdauer bei hoher Intensität. Das ist die Fähigkeit, eine Belastung von hoher Intensität mit minimaler Ermüdung aufrechtzuerhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist ein 200 Meter Sprinter.
Ein Sprinter erreicht seinen Top Speed nach etwa 60 bis 70 Metern. Ab 60 bis 70 Metern ist der entscheidende Faktor, den Top Speed so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, ohne zu ermüden. In diesem Fall spricht man von Sprintausdauer oder im Englischen Speed Endurance. Usain Bolt ist das beste Beispiel dafür, denn sein größter Vorteil gegenüber seinen Kontrahenten und der Grund, warum er über 200 Meter noch dominanter ist als über 100 Meter, ist seine außergewöhnliche Speed Endurance.
Die Fähigkeit, seinen Top Speed mit minimaler Ermüdung aufrechtzuerhalten und so ab 60-70 Metern allen Kontrahenten davon zu sprinten. Und auf der anderen Seite gibt es auch Ausdauer mit geringer Intensität. Das ist die Fähigkeit, eine Belastung von geringer Intensität mit minimaler Ermüdung aufrechtzuerhalten. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Ironman, bei dem es entscheidend ist, die Leistung über 8 plus Stunden mit minimaler Ermüdung konstant ohne Pause aufrechtzuerhalten.
Sportwissenschaftliche Definition von Intensität
Auch hier wieder, Definitionen sind entscheidend für Erklärungen. und ein Begriff, den ich jetzt mehrmals verwendet habe, der hier entscheidend ist, ist der Begriff Intensität. Intensität ist nicht der subjektive Ermüdungsgrad. Je anstrengender, desto intensiver mag umgangssprachlich korrekt sein. Aus Sicht der Sportwissenschaft ist jedoch die Definition von Intensität die Belastung einer Leistung in Relation zur Maximalleistung.
Eine Leistung mit hoher Intensität ist zum Beispiel ein Sprint über 50 Meter, mit maximaler Geschwindigkeit oder eine Langhandel-Kniebeuge für drei Wiederholungen mit 90% des 1er Max. Im Gegensatz dazu ist eine Leistung mit geringer Intensität z.B. ein Lauf über 10 km mit maximaler Geschwindigkeit oder eine Langhandel f 25 Wiederholungen mit 50 des 1er Max Das bedeutet Intensit definiert sich nicht den subjektiven Grad der Anstrengung sondern korreliert Leistung mit Maximalleistung. Beide Formen der Ausdauer, insbesondere die letztere, sind in den meisten olympischen Team- und Kampfsportarten nicht relevant, da bei ihnen die Belastungsdauer zu gering ist.
Zwei Formen der Kondition und Volumen
In den meisten Olympischen Team- und Kampfsportarten ist Kondition entscheidend. Die Fähigkeit einer Leistung mit minimaler Ermüdung zu wiederholen. Und auch in diesem Kontext gibt es zwei Formen der Kondition. Zum einen Kondition bei hohem Volumen.
Die Fähigkeit eine bestimmte Belastung sehr oft mit minimaler Ermüdung zu wiederholen. Das beste Beispiel ist Gewichtheben. bei der die einzelnen Disziplinen Reisen sowie Umsetzen und Stoßen nur jeweils dreimal pro Wettkampf wiederholt werden müssen. Je geringer das Volumen, desto entscheidender ist die Leistung bei der Belastung und weniger entscheidend ist die Fähigkeit, diese zu wiederholen. Je höher das Volumen, desto entscheidender ist die Fähigkeit, diese zu wiederholen.
So ist zum Beispiel beim Sprint Kondition, die Fähigkeit, Leistung zu wiederholen, weniger entscheidend als die absolute Leistung bei der Belastung. das heißt die maximale Leistung, die für einen Sprint abgerufen werden kann. Im Gegensatz dazu ist beim Fußball der notwendige Power-Output pro Sprint nicht so entscheidend, wie die Fähigkeit, diese Sprintschnelligkeit in den ersten und letzten Minuten eines Spiels abrufen zu können. Fußballer benötigen deshalb auch ein geringeres Maximal- und Explosivkraftlevel als Sprinter, jedoch ein höheres Maß an Kondition.
Unterschiede im Training und Fazit
Nachdem ich jetzt tiefer in die einzelnen Komponenten der Differenzierung von Ausdauer und Kondition eingegangen bin, hier noch ein kurzer Ausblick auf das Training von Ausdauer und Kondition. Das Training dieser beiden Aspekte ist ganz offensichtlich komplett verschieden. Das Training von Ausdauer umfasst grundsätzlich eine höhere Belastungsdauer und eine geringere Anzahl von Pausen, während das Training von Kondition grundsätzlich eine geringere Belastungsdauer und eine höhere Anzahl und Dauer von Pausen umfasst. Für einen Coach, einen Athleten und jeden, der sich mit einem Sport auseinandersetzt, ist entscheidend zu identifizieren, ob Ausdauer und oder Konditionen für die einzelne Sportart und Disziplin entscheidend sind.
Und mit einem differenzierten Assessment zu bestimmen, was der limitierende Faktor des einzelnen Athleten ist, um spezifisch diesen zu trainieren, um so seine Leistungsfähigkeit auf Platz, Bahn, Eis oder Matte zu steigern, denn eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wer Ausdauer trainiert, obwohl er Kondition benötigt, der schöpft sein körperliches Potenzial nicht aus. Und andersrum genauso. In diesem Sinne, viel Erfolg bei der Differenzierung und beim Training von Ausdauer und Kondition und bis zur nächsten Episode.