TWUP 63

TWUP 63 — Handball & Steaks Teil 1 mit Simon Baumgarten

Simon Baumgarten gibt Einblicke in die Strukturen des Profi-Handballs während der Corona-Pandemie und den harten physischen Alltag in der Bundesliga. Das Gespräch beleuchtet den Spagat zwischen Profisport und Berufswelt sowie die taktische und mediale Entwicklung der Sportart.

Kernpunkte

Neuansetzung des Champions League Final Four

Die Champions League, da wurde ein Großteil der Mannschaften einfach rausgekickt. und nur die vier Gruppen Ersten spielen jetzt statt im Sommer, im Dezember, ihr Finale untereinander aus. Ja, korrekt. Champions League Final Four aus dem Juni in den Dezember verlegt und kuriose Geschichte dabei ist, ein Spieler von Paris Saint-Germain, aktuell wahrscheinlich einer der besten Spieler der Welt, Sander Sargosen, hat zur neuen Saison, also praktisch ab 1.7. einen Vertrag beim THW Kiel und ich weiß die Auslosung noch nicht von den Halbfinals, aber unter Umständen spielte er dann praktisch für den THW Kiel gegen seinen ehemaligen Klub, mit dem er sich eigentlich für die Champions League Endrunde qualifiziert hat.

Das ist auch ein First in der Geschichte des Sports, dass so viele Events verschoben wurden und natürlich dann auch noch bei sowas wie zum Beispiel Tokio Olympia, das sie einfach um ein Jahr verschoben haben und die qualifizierten Athleten weiterhin qualifiziert sind, dass man halt Champions League Finale in die Mitte der nächsten Saison schiebt und natürlich ein Großteil der Teams wird grundsätzlich anders sein, unabhängig von dem Norweger. Da wird sich auch sonst noch ein bisschen was was Personal und Spieler angeht ge haben Das hei ein Gro derer die sich qualifiziert haben f Halbfinale beziehungsweise dann eventuell Finale werden gar nicht mehr spielen Genau, also die sind entweder dann bei neun Vereinen, wenn sie keinen Vertrag mehr haben oder haben ihre Karriere dann im Sommer beendet zum 30.06.

Und ja, der eine oder andere könnte ich mir dann vorstellen, also einer der bekannten Torhüter, Arpaz Derpik, hat eigentlich gesagt, jetzt durch diese Corona-Geschichte mit 40 will er sich dann nicht mehr quälen. Könnte ich mir schon vorstellen, dass der vielleicht noch bis Ende des Jahres seinen Vertrag noch mal etwas ausdehnen wird, um das Champions-League-Halbfinale noch mal spielen zu können. Verrückt, ja.

Saisonabbruch der Handball-Bundesliga und Finanzen

Handball-Bundesliga, die waren ja auch einfach einer der Ersten neben Aishockey, die gesagt haben, okay, Saison ist vorbei. Nee, Handball war praktisch jetzt einer der Letzten. Also die haben sich bis letzte Woche Zeit gelassen, um zu gucken, ob sich irgendwas ändert. Und die eine oder andere Mannschaft hätte ja wahrscheinlich gar noch Geisterspiele gemacht.

Aber dann gab es eine Präsidiumssitzung über Skype oder Webex mit allen Bundesliga-Vereinen, allen Geschäftsführern. Und dann hat man da wohl mit sehr großer Mehrheit beschlossen, dass man die Saison mit sofortiger Wirkung beendet, weil Geisterspiele im Handball eigentlich wenig Sinn machen, weil die Haupteinnahme eigentlich im Handball aus Sponsoren und Zuschauergeldern generiert wird. Und dann machen leere Hallen halt wenig Sinn. TV-Übertragungen sind bei Weile nicht so stark wie im Fußball?

Nein, überhaupt gar nicht. Also TV-Gelder, TV-Gelder im Handball, ich kenne keine genauen Zahlen, aber ich denke, da wird man sich mit ein paar hunderttausend Euro im Jahr mit allen Vereinen aufteilen und das war es. Wo läuft Handball-Bundesliga zurzeit? Aktuell kommt Handball-Bundesliga auf Sky, aber nur erste Liga.

Zweite Liga kommt im Internet, sportdeutschland.tv. Mittlerweile echt richtig gut gemacht, muss ich sagen. Also auch mit Kommentatoren und teilweise sogar Experten. Also entweder Spieler, die verletzt sind, die das dann machen.

Also muss ich sagen, hat sich in den letzten anderthalb Jahren auch deutlich verbessert.

Atmosphäre und Körperlichkeit im Handball

Gerade auch beim Handball, die Atmosphäre, das war so einer der ersten Punkte, als ich das erste Mal bei einem Handballspiel war. Es waren so zwei Dinge, die ich mitgenommen habe. Und das eine war diese Atmosphäre, da man halt schon beim Handball extrem eng aufeinander sitzt, beziehungsweise extrem eng auf dem Platz sitzt. Wenn man das vergleicht mit Fußball, selbst als ich schon in England war und drei Meter von der Eckpfanne weggesessen bin, war das bei Weidem nicht so wie im Handball, wo halt gefühlt alle drei bis fünf Meter vorm Platz weg sitzen.

Ja, also Handball ist natürlich, was die Stimmung angeht und davon lebt das Ganze ja. Und deswegen gewinnen nat auch mal die Hallmannschaften weil einfach die Stimmung in der eigenen Halle nat extrem gut ist und dementsprechend nat die Mannschaft dann noch mehr gepusht wird oder auch zu noch mehr H sag ich mal angetrieben wird weil die Zuschauer einem dann noch den Extrakick geben, wenn man mal zwei, drei Tore Rückstand aufholt, wenn es mal eng ist oder wenn der Gegner mal auspiffen wird. Es ist schon so, dass das extrem jemandem hilft. Also ich war immer kein Fan von so Trainingsspielen in so leeren Hallen. wo man dann teilweise sogar richtig gute Gegner hatte und dann sieht es niemand und man wird halt auch von den Rängen dann nicht unterstützt und man muss sich dann selber mehr oder weniger richtig pushen, dass das funktioniert.

Der zweite Punkt, der ich das erste Mal beim Handballspiel war, der mich am meisten überrascht hat, neben dieser engen Atmosphäre, war die Körperlichkeit im Handball. Ein Punkt danach war, wenn du einen Fußball-Schiedsrichter nehmen würdest und den Handball-Schiedsrichten lassen würdest, nach fünf Minuten würden da nur noch zwei Torwarte auf dem Platz stehen. Ja, also diese Körperlichkeit im Handball hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. Also als ich angefangen habe mit 15, 16 bei Frischof Göppingen damals mitzutrainieren, in der zweiten Liga noch, da war das so, dass da Spieler da waren.

Also ich sage jetzt mal einfach von 1,75 und 75 Kilo und da waren die 2-Meter-Spieler mit 115 Kilo eher die Ausnahme. Und das hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts so extrem gewandelt. Jetzt bin ich jetzt mit 1,93 war ich in den letzten Jahren bei mir der drittkleinste oder viertkleinste Spieler in der Mannschaft. Und auch diese Athletik und die Körperlichkeit hat in den letzten zehn Jahren so extrem zugenommen, Und dass es also für kleine und leichte Spieler nicht unmöglich ist, aber deutlich schwerer wie in den Jahren zuvor.

Und das mit dem Fußball-Schiedsrichter ist natürlich tatsächlich so. Es jammert da auch keiner. Also man haut sich da wirklich 60 Minuten auf den Körper und ohne Rücksicht auf Verluste, sage ich mal. Und danach gibt man sich wieder die Hand und trinkt zusammen ein Bier oder sowas.

Das ist also im Handball wirklich gang und gäbe. Das geht für 60 Minuten und danach passt alles wieder.

Schutzausrüstung und Fouls im Handball

Wie viele Spieler tragen Mundschutz? Erstaunlicherweise sehr, sehr wenig. Also ich habe mir das tatsächlich angewöhnt, früh schon in der Jugend immer mit Mundschutz zu spielen und hatte auch schon drei, vier Mal das Glück, wo ich gedacht habe, Gott sei Dank habe ich einen drin. Es passieren keine absichtlichlichen Schläge ins Gesicht, aber beim Kampf um den Ball oder wenn einer mal einen Schritt zu sp kommt geht der Unterarm dann halt schon mal ins Gesicht Das kann dann schon mal passieren Und an der Position des Kreisl ist es nat schon so dass bei Drehbewegungen immer wieder dann auch mal die Ellenbogen den K irgendwo treffen aber selten wirklich im Gesicht.

Und es spielen erstaunlicherweise aus meiner Sicht relativ wenig mit Mundschutz. Also ich würde sagen ein Drittel vielleicht. Okay, aber immerhin 33 Prozent, das ist beeindruckend. Aber auch vorher, bevor ich dich kennengelernt hatte, hatte ich keine Ahnung, dass da Handball von Natur aus so leichte Thai-Box-Elemente mit drin hat, dass da der eine oder andere Ellbogen kommt, Unterarm kommt und dann den Mundschutz tatsächlich Sinn macht.

Ja, es ist ja tatsächlich so, dass diese Treffer im Kopf- und Gesichtbereich meistens ja aus dem heraus resultieren, dass der Angreifer eine unerwartete Bewegung oder eine unerwartete Richtungsänderung macht und der Abwehrspieler in dem Moment einen Schritt zu langsam ist und ihn nicht mehr am Körper trifft, sondern dann halt dementsprechend im Gesicht. Aber das ist dann keine Absichtung, passiert tatsächlich relativ selten. Also so richtige harte, absichtliche Fouls gibt es natürlich schon, aber wenig. Das heißt, keine Schwalben im Handball?

Nee, also es gibt natürlich den einen oder anderen, der dann auch versucht, mit spektakulärem Hinfallen nochmal einen Freiwurf zu schinden, nenne ich es mal. Aber das finde ich ist noch normal und es ist nicht übertrieben, so wie im Fußball, wenn Neymar sich bei der kleinsten Berührung 24 Mal auf den Boden wälzt und tut, wie wenn er vom Blitz getroffen wird. Also das passiert im Handball definitiv nicht. Wenn das jemand machen würde, würde es in der Kabine extra Schläge geben.

Ich vermute keine extra Schläge, aber ja, das ist jetzt nicht so gut angesehen, wenn man sich da hinschmeißt und theatralisch versucht, irgendwelche Pfiffe zu kriegen. und es gibt meistens die Quittung ja durch die Zuschauer schon direkt. Also wenn du dann in der Ostseehalle oder Sparkassenarena in Kiel ausgepfiffen wirst von 10.000 Leuten, jedes Mal, wenn du einen Ball berührst, ja, den einen oder anderen beeindruckt das dann eigentlich schon nachhaltig. Muss man dann schon sagen, ja.

Ikonische Arenen und der THW Kiel

Ist Sparkassenarena Ostseehalle die größte Halle in Deutschland beziehungsweise die mit der präsentesten Stimmung? Ja, man muss sagen, die größte Halle ist, glaube ich, die SAP Arena mit 15.000 Leuten, beziehungsweise als Gummelsbach noch erste Liga war, haben die hin und wieder in der Köln Arena gespielt. Da ist man natürlich aber relativ weit weg vom Handballfeld. In Kiel sitzt man natürlich relativ nah und das ist schon...

Also mir ging es zumindest so, als ich dort das erste Mal eingelaufen bin, du weißt genau, hast als Kind oder als Jugendlicher dort die ganzen Spiele angeguckt, die großen Schlachten deiner Vorbilder vielleicht sogar, die da in dieser Halle große Mannschaften besiegt haben. Also das ist schon ein ganz anderes Gefühl, wie wenn ich jetzt in Wetzlar in die Rittal-Arena einlaufe, wo ich auch Respekt habe, aber natürlich im Vergleich zu einer Ostseehalle in Kiel, wo eine ganz andere Vergangenheit dahinter steht, ist das aus meiner Sicht was anderes. Also ich habe gerne in der Ostsee Halle gespielt, weil die immer ausverkauft ist, weil die haben, ich weiß es nicht, ich glaube 10.300 Plätze und 10.000 Dauerkarten verkauft.

Und die müssen irgendwie einen kleinen Prozentsatz für die Gästefans zur Verfügung stellen. Also da war es in den Top-Zeiten vor so sechs, sieben Jahren so, dass Dauerkarten zu kaufen gar nicht möglich war. Also außer es ist jemand verstorben und es ist eine Freiband. Also da gab es Wartelisten.

Ich denke, die gibt es heute immer noch, weil in Kiel oben gibt es halt jetzt noch Holstein Kiel, zweite Liga, aber sonst ist relativ wenig mit Sport oder Fußball oder Konkurrenz. Und dementsprechend ist in der Ostseehalle immer voll. Und das ist natürlich, wenn du als Aufsteiger in anderen Hallen spielst, ist dann manchmal die Halle halb leer, will ich mal sagen. Also als wir aufgestiegen sind mit dem TVB Stuttgart damals und wir das erste Mal in der SAP Arena gespielt haben, Da sehen halt 5.000 Leute in der Halle, wo 20.000 oder 15.000 Leute reinpassen, relativ wenig aus.

Und deshalb war das immer toll, in Kiel zu spielen, weil da wusstest du schon vorab, da sind 10.000 Dreifertleute da immer ausverkauft, egal wer kommt.

Karriereweg und das Zusammenspiel mit der Familie

Wie viele Jahre hast du in der ersten Liga gespielt? Ich habe mit 17 die ersten Schritte in der ersten Liga gemacht bei Frischof Göppingen, mehr oder weniger, aber hauptsächlich als Zuschauer. und habe dann jetzt fünf Jahre mit dem TVB in der ersten Liga gespielt. Und jetzt reitest du in das Abendrot deiner Karriere. Genau, so kann man das nennen.

Ich habe jetzt nochmal die Möglichkeit, mit meinem Bruder nächstes Jahr zusammenzuspielen. Dann kommende Saison, die Saison nach Corona, wenn auch immer die starten wird, nochmal mit meinem Bruder zusammenzuspielen. Das haben wir irgendwann mal vor 15, 16 Jahren besprochen. und haben gesagt, wenn es sich die Möglichkeit mal ergibt, zusammen zu spielen, würden wir das gerne mal machen. Und das war die letzten Jahre einfach gar nicht möglich, weil wir nat auch auf der gleichen Position spielen und dementsprechend nat uns die Spielzeiten dann teilen wo keiner von uns ein Problem h Aber die Vereine nat sagen wir holen nicht zwei Spielertypen von der gleichen Sorte Du guckst ja, dass die Spieler, die du holst, unterschiedliche Qualitäten haben und nicht ähnliche.

Wie viele Brüder hast du? Wir sind insgesamt zu dritt. Okay, das heißt, einer macht auch Handball und der andere macht MMA? Genau.

Okay. Cool.

Ligen-Restrukturierung und Auswirkungen auf den Amateursport

Fußball-Bundesliga ist jetzt vorbei, das heißt, der, der jetzt Erster ist, ist Meister und der, der Letzter ist, steigt ab. Oder wie haben Sie das geregelt? Also in der Handball-Bundesliga haben Sie es jetzt so gemacht, dass der Erste aktuell Meister ist und die anderen Mannschaften, also es wird über so eine Quotientenregelung gemacht, das heißt, Punkte durch Anzahl der Spiele mal 100 war, glaube ich, die Formel, wenn ich mich richtig erinnere, auf eine Nachkommastelle gerundet und bei gleichem Quotienten entscheidet das Torverhältnis und dementsprechend haben sie praktisch Meister gekürt, was relativ deutlich war.

Platz zwei für die Champions League, was meines, wenn ich richtig überlege, auch relativ deutlich war. Es gab nur noch einen Platztausch zwischen den Rhein-Neckar-Löwen und Magdeburg, glaube ich, ich weiß es nicht. Zwecks den internationalen Plätzen oder Füchse Berlin, ich weiß es nicht auswendig. Wer sind die ersten zwei gerade?

Kiel und Flensburg, die zwei Nordmannschaften. Kiel ist Meister. Kiel ist Meister, Flensburg Zweiter und die haben deutschlandweit geregelt, es gibt keine Absteiger, keine sportlichen Absteiger. Heißt, die Ligen werden alle aufgestockt.

Bundesliga heißt nächstes Jahr zwei Spiele mehr, weil Thusem Essen und Coburg aus der zweiten Liga aufsteigen und Nordhorn und die Eulen Ludwigshafen, die auf den letzten beiden Plätzen sind, in der ersten Liga bleiben. Okay, das heißt quasi, alles schiebt sich nach oben. Genau. Die letzte Liga wird zwei weniger?

Ja, wie sie das unten regeln im Amateursportbereich, ist noch offen und es ist eigentlich immer die Frage, wer will aus der dritten Liga aufsteigen, weil es natürlich ein deutlicher Mehraufwand ist, was Auswärtsfahrten angeht, was vor allem auch den finanziellen Aufwand angeht. viele jetzt natürlich keine Spieler verpflichten können, weil unklar ist, wie es finanziell weitergeht dementsprechend alle relativ vorsichtig sind, könnte ich mir auch vorstellen dass der ein oder andere Drittliga-Meister auch sagt, ich will vielleicht gar nicht in diese zweite Liga, weil ich es mir aktuell vielleicht auch gar nicht leisten kann ebenso nat von der vierten in die dritte Liga die Leute sagen ich wei es nicht ob ich das sportlich dann schaffe Mit der Mannschaft finanziell ist das nat auch nochmal ein Mehraufwand Und der ein oder andere Verein vielleicht auch sagt, ich möchte gar nicht mehr dritte Liga spielen, ich war chancenlos.

Ich gehe nach unten und spiele lieber in der vierten Liga, weil es einfach finanziell entspannter ist. Meine Mannschaft da vielleicht auch mal ein paar Spiele gewinnt und ich meinen Zuschauern nicht jedes Wochenende erklären muss, warum ich schon wieder mit zehn Toren verloren habe. Aber das muss man alles abwarten, wie es in dem Amateurbereich weitergeht. Das Kurioße ist, der HVW, also der Handballverband Württemberg, will zur kommenden Saison die Württemberg-Liga eingleisig machen.

Da gibt es jetzt aktuell eine Württemberg-Liga Nord und eine Württemberg-Liga Süd. Die soll zusammengelegt werden. Gleichzeitig soll aber darunter eine Verbandsliga eingeführt werden. Die haben sie damals, als ich in den aktiven Bereich gegangen bin, gerade abgeschafft.

Und jetzt, 15 Jahre später, führen sie es praktisch wieder, wenn ich zurückkomme, wieder ein. Also das ist alles so ein bisschen kurios. Ich bin da mal gespannt, wie das da HVW dann am Ende des Tages löst mit den ganzen Ligen und den Aufteilungen. Also das ist alles noch nicht final und muss alles noch geguckt werden, welche Mannschaft möchte in der Liga bleiben, möchte aufsteigen oder auch nicht halt in dem Fall.

Das hört sich für mich aber auch längeren Wegen an. Wenn du Nord-Süd hast, ist alles nah beieinander. Genau. Ja, jetzt in der Württemberg-Liga, sag ich mal, geht das Ganze dann noch Früher, als es die zweigleisige zweite Liga gab, Norden, Süden, dann waren es weitere Wege, das muss man sagen.

Als es die eingleisige zweite Liga dann gab, aber jetzt Württemberg-Liga, wenn ich dann von Weiblingen nach Schweigham fahren muss, ist es natürlich relativ kurz, sind drei Kilometer. Und wenn ich halt nach Lauterstein fahren muss, dann sind es halt 25 oder 30 Kilometer nach Richtung Donzdorf, da hinten Richtung Göppingen. Also ja, es sind weitere Wege, aber in dem Bereich ist das alles noch überschaubar. überschaubar. Da gibt es eine Mannschaft noch, glaube ich, in dem Allgäu, wo du einmal weiterfahren musst.

Aber das ist dann, denke ich, auch machbar. Hält sich in Grenzen.

Regionale Dominanz und das Nord-Süd-Gefälle

Also interessant ist in Kiel und Flensburg, dass er im Norden so stark ist im Handball. Ja, seit ich eigentlich denken kann und Handball eigentlich intensiv verfolge, war ich immer der THW Kiel, das Maß aller Dinge, hat immer oben gespielt, war in der Champions League relativ weit, hatte immer die Spieler, die international gefragt waren. Die Flensburger haben einen ganz, ganz großen örtlichen Vorteil und haben sehr, sehr viele Dänen und Skandinavien in ihrer Mannschaft die halt sagen okay ich bin halt lieber direkt an der Heimatgrenze und kann halt mal Wochenende heimgehen zur Familie bevor ich dann irgendwo ich sage jetzt mal in Mannheim sitze und das halt nicht kann Und da wird dann halt dieser Aspekt in den Vordergrund gestellt.

Und die holen sich dann halt die skandinavischen Spieler, die jetzt in den letzten Jahren ja auch Olympia-Weltmeisterschaften, also Dänemark, Schweden, Norwegen vor allem jetzt gerade, das sind ja die Mannschaften, die die Medaillen zusammen mit Frankreich verteilen die letzten Jahre. und dementsprechend ist das für die natürlich relativ angenehm. Ich will nicht sagen, dass der Süden oder die Mitte Deutschlands komplett fehl am Platz ist oder schlecht spielt, aber das Gute am Süden ist, jetzt haben wir da mit Balingen, mit den Rhein-Neckar-Löwen, mit den Eulen Ludwigshafen, mit dem TVB Stuttgart, mit Frischof Göppingen auch mittlerweile etliche Erstligisten hier auch im Süden, sodass das, denke ich, sich auch über die Jahre hinweg entwickeln wird.

Und der große Vorteil im Norden ist halt noch, die haben halt keine Konkurrenz durch den Fußball. Während hier halt der VfB direkt um die Ecke ist. Bayern München, also in Bayern gibt es ja nicht wirklich, außer Fürstenfeldbruck, die jetzt in die zweite Liga aufsteigen. Handball ist da ja völlig tot.

Alle hoffen ja immer, dass der Uli Hoeneß irgendwann mal sagt, ich mache den FC Bayern Handball auf. Und das, glaube ich, aber wird nicht passieren, wird nicht passieren, weil den Basketball, den hat er ja innerhalb von kürzer Zeit aus dem Boden gestampft und er könnte das Arme im Handball machen, aber ich kenne die Gründe nicht, aber ich glaube nicht, dass das passieren wird und Dominik Klein leistet jetzt da in diesem Bayerischen Handballverband, ich will es mal Pioniersarbeit nennen, um da einfach diesen Bayerischen Handball weiterzuentwickeln, dass da auch ein bisschen mehr kommt, weil es im Süden natürlich auch sehr, sehr gut tut, wenn da Handball dementsprechend auch öfters vertreten ist.

Biedigheim habe ich noch komplett vergessen, zweite Liga. Also es ist schon so, dass der Süden Handball hat, aber natürlich sehr, sehr viel Konkurrenz auch da ist und dementsprechend natürlich die Etats deutlich differieren zwischen Norden und Süden. Ich meine, bei der WM mal aufgeschnappt zu haben, dass der Ursprung des Handels auch in Jütland liegt, dieser dänischen Halbinsel. Da muss ich natürlich sagen, das weiß ich tatsächlich nicht, wo der Handball dann am Ende des Tages seinen Ursprung Wer da angefangen hat, den Ball aufs Tor zu werfen oder ob irgendwann mal jemand beim Fußball das Ding in die Hand genommen hat und geworfen hat, weiß ich leider nicht.

Aber wie du sagst, ist recht norddominant.

Internationaler Handball und globale Expansionsbemühungen

Allgemein Handball ist recht europadominant. Ja, das ist korrekt. In den USA wird Handball fast nicht gespielt. Da gab es mal so Versuche, wenn ich mich richtig erinnere, dass ein paar europäische Mannschaften rübergehen.

Ja, es ist also tatsächlich so, in Amerika hat man es in den letzten Jahren immer versucht an Weihnachten. Also zwischen Weihnachten und Neujahr praktisch. An so einer Unihalle mehr oder weniger hat man Handballstars, die Gretsche und die, die halt international bekannt sind, hat man nach Amerika eingeflogen und hat da so ein Fun-Spiel gemacht, irgendwo zwischen Weihnachten und Neujahr, um der Handball so ein bisschen salonfähig zu machen. Aber weil eigentlich Handball von der Art her den Amis eigentlich gut gefallen müsste, weil es ist Action, es gibt auf die Mütze, es passiert viel, es gibt viele Tore.

Also ich will nicht sagen, das ist eine Art Football, aber es geht schon in Richtung Actionsport. Aber das hat sich irgendwie nie durchgesetzt. Und dann gibt es noch den Super Globe, wo halt die Emirate natürlich ein paar Euro in die Hand nehmen und dann halt die Top-Mannschaften international einfliegen. Also es ist meistens immer Barcelona, THW Kiel, West Bremen, also die Top-Teams aus Europa einfliegen, die dann da halt innerhalb kürzester Zeit drei, vier Spiele machen, um dann diesen Pokal da auszuspielen, der dann von einem Scheich zur Verfügung gestellt wird.

Aber auch in den Emiraten ist es so, es gibt Handball. Aber da ist es so, dass ein Scheich dann immer schon zwei, drei Mannschaften hat, die in einer Liga spielen. Und auch durch die Temperatur ist natürlich Handball da relativ schwierig in der Halle. Man muss dann halt immer relativ früh morgens oder spät abends, wenn es dann nur noch 38 Grad hat in der Halle, spielen und trainieren.

Also ich glaube, auch dort wird sich Handball nicht final durchsetzen in den Emiraten. Asien, Afrika, Lateinamerika Gar nicht Die Mannschaften die dabei sind Brasilien ist schon so, dass die Handball spielen können auch Tunesien sind Mannschaften die Handball spielen können aber es reicht dann halt immer wieder mal bei einer Weltmeisterschaft oder bei Olympia für eine Überraschung dass man in die K.O. Phase kommt aber so den ganz großen Wurf zumindest im Männerbereich gibt es nicht die Frauen haben Korea, glaube ich, hat jetzt die Goldmedaille gewonnen bei der letzten oder vorletzten Weltmeisterschaft, wenn mich nicht alles täuscht, aber das sind alles so Ausreißer nach oben da ist diese Handballkultur gar nicht so verwurzelt Unser ehemaliger Bundestrainer der ist Nationaltrainer in Asien dr Da wei ich nicht wie es wirklich l Also Dago Sigurdsson ist praktisch, nachdem er 2016 Europamaster geworden ist, nach Ende seines Vertrages nach Asien rüber, um dort Nationaltrainer zu sein.

Wo in Asien? Südkorea. Weström. Oder Japan?

Asien. Asien. Das passt. Du hast Westbrem erwähnt, das hört sich so leicht an wie West Ham, dieser Premier League Fußballverein.

Westbrem liegt woanders.

Europäische Top-Clubs und Finanzstrukturen

Westbrem liegt in der Nähe von Budapest in Ungarn. Wirklich im Nirgendwo. Ich kenne es leider nur aus Erzählungen, dass diese Halle und diese Stimmung in der Halle unvergleichlich ist mit allen Hallen in Europa, was Lautstärke angeht, was Emotionen angeht, was Fans angeht. Ein guter Freund von mir, der ehemalige Nationaltour, Johannes Jogi Bitter, der hat davon erzählt, dass das wirklich eine sensationelle Halle ist.

Mimi Graus hat davon geschwärmt, dass alle, die dort schon gespielt haben, schwärmen von dieser Halle, dass es wirklich sensationell ist. Auf dem Land in Ungarn, ein Haufen großer Jungs, die alle Fleisch mit Soße, Kartoffeln und Brot essen. Ja, wahrscheinlich. Also die haben natürlich dann auch dementsprechend finanzielle Möglichkeiten, sich internationale Topstars zu kaufen.

Das heißt, das sind nicht nur ungarische Spieler, sondern sehr, sehr viele internationale Spieler. Also dadurch, dass die natürlich nicht nur in Ungarn spielen, sondern da gibt es noch diese SEHA-League, die hat man zwischendrin mal ausgesetzt. Das heißt, das sind die Mannschaften vom Balkan. Also eine zweite Champions League will ich es mal nennen, weil diese ungarische Liga wird von zwei Mannschaften dominiert.

Das heißt, Westbrem und Segget, die spielen halt den Meister aus. Und alle anderen Mannschaften sind halt da, dass sie da sind. Und die gucken halt, wer Meister wird in Hin- und Rückspiel. Einmal in Westbrem, einmal in Segget.

Und dann war es das eigentlich. Und dann haben die noch die SEA-League und die Champions League. Und wir durften mit dem TVB Stuttgart vor, ich glaube drei oder vier Jahren war es, beim Sparkassencup in Ulm mal gegen Westbrem spielen, die da als zehnfacher Titelverteidiger dann mal vor Ort waren. und die sind mit drei kompletten Mannschaften angereist. Also die hatten 21 Spieler dabei und haben dann pro Spiel halt immer mehr oder weniger so Blockwechsel gemacht und haben das Ding halt dann auch dominiert am Ende des Tages Also wir hatten keine Chance und ich w sagen die Bundesliga ist nach wie vor die beste Liga der Welt aber wir waren einfach chancenlos gegen die Maschinen aus Westbrem.

Du sagst, sie haben die finanziellen Mittel, wo kommen die her? Ist da einer, der das Ganze sponsert? Genau, bei diesen internationalen Top-Mannschaften aus Europa ist es meistens immer ein oder zwei Leute, die da die Kohle reinpumpen oder halt eine Unternehmensgruppe, ähnlich wie es bei den Premier League Klubs sind, dass da halt Leute sagen, okay, ich möchte da so ein bisschen Spaß haben mit einer Mannschaft und ich investiere da mal. Im Handball ist der Invest deutlich geringer als im Fußball.

Da ist man mit vier, fünf Millionen im Jahr natürlich schon, kann man da schon richtig was bewegen, während im Fußball für vier, fünf Millionen Euro nicht mal ein Spieler bezahlt werden kann, der internationales Format hat. Frankreich ist ja auch relativ stark. Da ist auch Paris Saint-Germain, wo auch jemand dahinter steht, der das Ganze finanziert. Ansonsten ist die Qualitätsdichte in Frankreich ähnlich wie in Ungarn.

Da ist Paris und dann kommt lang nichts. Ja, da gibt es noch Nantes natürlich und Jean-Pierre und Montpellier, die immer wieder da oben mit angreifen. Also da ist die Liga schon deutlich, deutlich dichter als in Ungarn oder in Polen zum Beispiel, wo es auch nur zwei Mannschaften gibt. Die französische Mannschaft, die hatten vor, ich glaube, zwei Jahren war es, drei Teams waren im Champions League Halbfinale aus Frankreich.

Also die haben schon, und es zeigt natürlich auch immer international bei Olympia-Weltmeisterschaften, dass die Franzosen holen eine Goldmedaille nach der anderen. Und mittlerweile lohnt es sich auch wieder, bei denen in der Heimat zu spielen. und ja, Paris ist diese, ich will nicht sagen dominante Mannschaft, aber die ist jetzt dieses Jahr wieder Meister geworden, aber deutlich knapper als jetzt andere Mannschaften in den europäischen Top-Ligen und da steht ein Scheich dahinter, wenn mich nicht alles täuscht. Also irgendjemand aus den Emiraten, der sagt, ja, ich könnte mir sogar vorstellen, dass es der gleiche ist wie ein Fußball, der einfach sagt, ja, die drei Millionen für Sandball oder die fünf Millionen für Sandball, die habe ich auch noch übrig.

Das weiß ich nicht, ob das der gleiche ist, aber auf jeden Fall jemand aus den Emiraten, der das...

Die deutsche Nationalmannschaft und Jugendentwicklung

Wenn man die deutsche Bundesliga anschaut daf dass es ja seit Jahren die st Liga der Welt ist tut sich aber die deutsche Nationalmannschaft ein bisschen schwer im Vergleich dazu mit internationalen Erfolgen soweit ich das beobachte WM war 2008 der Sieg 2007 sind wir gerade 2007 Und zwischendrin war einmal Europameister richtig 16. 16. Und dazwischendrin waren dann die Dänen, die Franzosen, die sich da abwechseln. Ab und zu nochmal die Spanier, ja. Aber im Endeffekt hat die deutsche Liga natürlich das Prädikat als beste Liga der Welt.

Aber es ist natürlich auch hier so, man holt sich natürlich die Spieler auch aus den anderen europäischen Nachbarländern, sage ich mal. Und ich will nicht sagen, man hat die deutsche Nachwuchsförderung vergessen. Man hat natürlich nach 2016 die Euphoriewelle oder auch nach 2007, da fand ich es noch ein bisschen extremer, diese alte Garte immer daran festgehalten und hat diesen Nachwuchs nicht diese Chance gegeben. Vielleicht war aus der Meinung der Verantwortlichen die Qualität auch nicht da.

Wir haben sehr, sehr gute deutsche Spieler. Aktuell sehe ich nur so ein kleines Problem, so ein bisschen auf der Rückraummitte. Martin Strobl hat jetzt seine Karriere beendet, hatte sich dann bei dem letzten Großveranstaltungskreuzband gerissen. Und es gibt Jungs, die da in die Rolle reinwachsen können, aber die brauchen halt noch ein bisschen Zeit.

Also wir haben die Möglichkeiten und ich glaube auch, dass wir wieder über kurz oder lang um die Medaillen mitspielen werden. Ich erinnere mich an diesen riesen Hype, da 2007 nach der Weltmeisterschaft. Damals, ich hatte in meiner Jugend Fußball gespielt, nichts mit Handball zu tun, aber dann so mit, was war ich da, Anfang 20, da kam sogar bei mir dann dieser riesen Handball-Hype an.

Medienpräsenz und Entwicklung der TV-Rechte

Darüber hinaus, wenn jemand anfängt Handball zu spielen, ist der Nummer eins Grund, weil es halt einen lokalen Verein gibt und der Handball groß ist im Vergleich zum Fußball. Ist ja auch bis auf wenige Städte so, dass wenn es Fußball gibt in der Stadt, der Handball schwierig hat. Ja. So ein klassischer zweite-Reihe-Sport, ähnlich wie Basketball oder Eishockey, dass wenn es quasi keinen dominanten Fußballverein gibt, dann gibt es ein bisschen mehr Platz für solche Sportarten.

Aber darüber hinaus ist es auch Berührungspunkte mit Handball. Wenn du quasi einen lokalen Verein hast, ist das dein Nummer-eins-Faktor. Ansonsten wenig im Fernsehen, auch in den Medien sonst nicht so stark vertreten, außerhalb der Europameisterschaft, Weltmeisterschaft. Die kommen ARD, CTF.

Ja, also man hat es jetzt wieder zurückgeholt zu den Öffentlich-Rechtlichen, diese Fernsehzeiten für die Nationalmannschaft. Man hat damals, also wie es genau gelaufen ist, weiß ich nicht, aber es war so, man hat diese Rechte zur Übertragung dieser Rechte. Großveranstaltungen ausgeschrieben und ich meine Al Jazeera hat damals gesagt, ja ich kaufe mir die Rechte und dann ist jedem ja aufgefallen irgendwann, okay dann kann ich es ja gar nicht mehr gucken in Deutschland. Und dann hat damals die DKB, die Bank, damals hieß es ja noch DKB-Handball-Bundesliga, ich vermute mal für ein paar Euro ein Streaming-Signal gekriegt und hat dann auf ihrer Seite zumindest online noch die deutschen Spiele streamen können, Aber da war tatsächlich mehrfach dieses Wort Blackout gefallen, dass das gar nicht mehr zu sehen ist.

Früher, zu meiner Anfangszeit mit 17, 18, gab es das DSF noch, das deutsche Sportfernsehen, das hin und wieder mal ein Topspiel gezeigt hat, einmal die Woche oder alle zwei Wochen dann mal. Und das hat sich jetzt Gott sei Dank mit dieser Geschichte von Sky komplett gewandelt. Also ich glaube, die sind jetzt die dritte Saison dabei. und zeigen alle Spiele im Live. Jetzt mittlerweile gibt es sogar eine Handballkonferenz.

Also so diese Fußballkonferenz abgekupfert. Nur wird da nicht pro Tor hin und her gesprungen, sondern man ist halt immer fünf Minuten dann immer in einer gewissen Halle und geht dann weiter und kann sich das dann alles nochmal im Real Life angucken. Also wirklich ein sehr, sehr großes Upgrade für den Handball und auch durch die Fernsehzeiten. Dann gibt es noch zwei, drei Spiele in der Saison, die dann tatsächlich im Öffentlich-Rechtlichen dann gezeigt werden.

Das ist dann meistens so Kiel gegen Flensburg, wenn es um die Deutsche Meisterschaft geht oder die Rhein-Neckar-Löwen oder sowas. Also wenn die Top-Teams zugange sind, dann wird es auch nochmal zu einer relativ guten Zeit für die Leute im Öffentlich-Rechtlichen gezeigt. Also diese Fernsehpräsenz hat im Laufe der letzten zehn Jahre auch deutlich zugenommen. Aber ja, im Vergleich zum Fußball sind wir da natürlich handballtechnisch wahrscheinlich jetzt gerade froh drüber, wie es ist.

Andere Sportarten wie Volleyball oder so, wäre froh, hätten sie die Fernsehzeiten. Aber man könnte natürlich auch die Großveranstaltungen und das Ganze noch ein bisschen besser vermarkten. Das heißt, wenn man den Handball einen Schritt weiter an die Masse ranbringen möchte, wäre dein Punkt, wir brauchen deutlich mehr Fernsehzeiten, deutlich mehr Medienpräsenz. Weil der Sport an sich ist ja relativ actiongeladen.

Also im Handballspiel, die paar Spiele, die ich jetzt gesehen habe, war, da gibt es nicht diese Dürrephasen, wie es oftmals im Fußball gibt oder auch im American Football gibt oder auch im Tennis, also auch so ein Klassiker oder Formel 1 ist so ein Ding wo da halt auch mal 20 Minuten gar nichts passiert Also Handball schon deutlich seltener und schneller Ja ich glaube tats klar durch mehr Fernsehzeiten w das Ansehen des Handballs nat deutlich gewinnen Oder durch mediale Präsenz. Ich glaube aber, dass viele Leute einfach sagen, ich verstehe das Spiel noch gar nicht richtig. Warum würde jetzt gepfiffen, was ist jetzt gerade passiert?

Bei Fußball, da weiß jeder, was Abseits ist, da weiß jeder, wie die Regeln sind. Das Runde muss ins Ecke gehen und dann gibt es noch ab und zu mal einer, der pfeift. Dann ist es halt ein Foul gewesen und das passiert halt relativ oft. Und im Handball gibt es manchmal Pfiffe, dann macht der Schiedsrichter irgendwelche Handbewegungen.

Was im Football dann gelöst wird durch, ich mache eine Ansage und sage den Zuschauern, was ich gerade gepfiffen habe, glaube ich, dass im Handball nicht praktikabel ist. Aber man müsste irgendwie, einen aktuellen Ansatz habe ich dazu nicht, den Leuten das mal zeigen, dass Handball eigentlich relativ einfach zu verstehen ist und das tatsächlich ein Sport ist für die breite Masse. und das dann durch diese Fernsehpräsenz oder durch die mediale Präsenz dann deutlich nach vorne bringen.

Regelwerk und die Kunst der Schiedsrichterführung

Ab wann ist ein Handball ein Foul ein Foul? Das ist natürlich das Schwierige zu erklären, wann ist ein Foul ein Foul? Die Kunst des Schiedsrichtens. Genau, also das ist tatsächlich im Ermessensspielraum des Schiedsrichters.

Also es gibt natürlich ein Regelwerk, da steht es dann eins zu eins drin, wann ein Foul ist. Es gibt ja unterschiedliche Arten von Fouls. Also es gibt ein normales Foul, wo einen Freiwurf nach sich ziehen. Und es gibt Fouls, die eine Zeitstrafe nach sich ziehen.

Also so ein Schlag ins Gesicht zum Beispiel ist immer eine Zeitstrafe. Das heißt, der Spieler, der dem anderen ins Gesicht haut, muss für zwei Minuten auf die Bank setzen. Und dann gibt es Fouls, die einen Freiwurf geben. Das sind ganz normale Fouls, wenn ich den Gegenspieler mit fairen Mitteln, Körper gegen Körper stoppe, ihn festmache.

Also das heißt, mit den Armen am Weiterlaufen hintere, ohne dass ich ihn von hinten ziehe, dass ich ihn am Trikot ziehe. sondern einfach Körper gegen Körper. Das gibt einen ganz normalen Freiwurf. Das heißt, die Spieler gehen drei Meter auseinander und dann wird weitergespielt. Und dann gibt es natürlich noch so einen 7-Meter-Foul.

Das heißt, wenn ich jemanden beim Wurf hintere oder im Kreis schucke oder irgendwie sowas, dann gibt es einen 7-Meter-Foul. Das kann sein, ich kriege dann dazu noch eine Zeitstrafe. Oder es gibt halt einen 7-Meter. Das heißt also, der Spieler schießt aus der Entfernung von 7 Meter allein gegen den Torhüter.

Das sind so die Arten von Fouls, die es gibt. Klar gibt es natürlich, wenn ich ein wichtiges brutales Foul mache, auch mal eine rote Karte, aber sehr selten. Was ist der Rekord von Zeitstrafen gleichzeitig Ich glaube jetzt im Amateursport haben mal zwei gegen zwei Feldspieler gespielt Aber es war im Amateurbereich in der Bundesliga kann ich mich nicht erinnern was da das Maximale war Also drei Zeitstrafen ist schon, ich glaube das Maximale, was ich gesehen habe für ein Team. Gleichzeitig.

Gleichzeitig, genau. Zwei gegen zwei, das wird sich nach verdammt viel laufen. Ja, da muss der Torwart vielleicht dann nochmal mit rauskommen. Also das war im, ich glaube, vierte oder fünfte Liga war das.

Das kam dann irgendwo auf Instagram, habe ich das gesehen.

Taktische Innovationen: Der siebte Feldspieler

Was auch ein interessanter Punkt ist, als ich die ersten paar Spiele beim TVB war, zugeschaut habe, war, dass der Torwart oftmals mitspielt. Dass du quasi einen Wechsel hast oder der Torwart mit nach vorne kommt, wo dann nur Feldspieler auf dem Platz sind. Ja, das gab eine Regeländerung. Früher hat nur ein Trainer praktiziert und hat sich das damals getraut oder hat es sogar eingeführt.

Das war damals Dr. Rolf Brack, der damals Trainer in Balingen war. Was ist damals? Damals, das ist acht, neun Jahre her.

Er war insgesamt, glaube ich, zehn, zwölf Jahre bei Balingen. Er ist mit denen aus der zweiten Liga aufgestiegen, mit ganz bescheidenen Mitteln. Er hat die Mannschaft jedes Jahr mit dem geringsten Etat in der Liga gehalten. Er hat natürlich über die Abwehr, über den Kampf, die Gegner eingeschüchtert und dominiert. weil der hatte nie die besten Spieler, auch nicht die finanziellen Mittel dafür.

Und aus dem Grund hat er früher damals eingeführt und hat gesagt, ich wechsle den Torhüter aus und bringe einen siebten Feldspieler mit rein, der sich dann ein Jersey überzieht, dass er als Torwart gekennzeichnet ist. Und damals war es so, dass die Spieler, die dieses Jersey übergezogen hatten, dann auch zurückrennen durften in den Kreis und ins Tor stehen durften, wenn es nicht mehr gereicht hat zum Wechseln. Und da gab es natürlich immer wieder kuriose Szenen, dass dann ein Feldspieler im Tor stand und versucht hat, Torwart zu spielen, weil die Wechselei zwischen Feldspieler und Torwart nicht mehr geklappt hat.

Und er hat es dann genutzt, um vorne im Angriff ein Spieler mehr zu sein und dort dann halt die Überzahl zu generieren, um verhältnismäßig einfachere Tore zu werfen. Und dann hat irgendwann die Liga vor zwei Jahren gesagt, nee, das ist die dritte Saison jetzt, wo sie gesagt haben, okay, wir führen sowas ein, es darf nicht mehr der Feldspieler ins Tor zurückrennen, sondern es muss immer zwingend der Torhüter gewechselt werden. Das hei ich kann eine schaffen aber ich darf halt nicht mehr in den Kreis zur und als Feldspieler ins Tor stehen sondern ich muss immer den Torwart aktivieren Das hei also es kriegt ein Spieler eine Zeitstrafe ich verteidige mit f Mann hinten und anstatt ich mit fünf Mann vorne den Angreif, schaffe ich die Gleichzahl, indem ich den Torhüter rausnehme und einen zusätzlichen Feldspieler bringe.

Der muss auch nicht mehr gekennzeichnet sein und es kann jeder diesen Torhüter wieder aktivieren. Und so kann ich dann halt vorne im Angriff sechs gegen sechs weiterhin spielen. Wenn ich natürlich einen Ball verliere, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner ins leere Tor wirft, relativ hoch. Und als das ganz neu rauskam und eingeführt wurde, haben das sehr, sehr viele Mannschaften praktiziert.

Jetzt mittlerweile immer weniger. Also es gibt immer wieder Phasen, wenn man mal einen Rückstand aufholen will, ist das so das letzte Mittel, wo man dann probiert und sagt, okay, ich tue einen Torwart raus und versuche dann mit einem sechsten Feldspieler in Unterzahl oder mit einem siebten Feldspieler dann, wenn ich gleich vier Feldspieler habe, mit einem Spieler mehr, mit bestimmten Auslösehandlungen zu dem Torerfolg zu kommen. Und dann ist ganz klar abgestimmt, wie wird gelaufen, wie wird gekreuzt, wie wird gespielt und wer ist nachher derjenige, der rausläuft und den Torhüter wieder aktiviert.

Weil wenn man da zu spät dran ist, gibt es immer Tore ins leere Tornis. Dürfte der Torwart von der anderen Seite selbst den Ball ins leere Tor werfen? Ja, also die meisten Torhüter hatten die ersten ein, zwei Jahre jetzt immer so zwei, drei Saisortore. Also weil es immer die Möglichkeit gab, es gibt einen Wurf, der Ball wird sogar geblockt oder einfach direkt vom Torhüter gehalten.

Und er konnte dann aus dem eigenen Kreis ins leere Tor werfen. Also ich glaube, der Jogi hatte letztes Jahr zwei oder drei Tore sogar. Also das geht. Ein neuer Aspekt des Spiels.

Ja, es gibt eigentlich nur zwei Lager von diesem neuen Aspekt. Die einen sagen, jawohl, ich ziehe das durch bis zum Erbrechen. Also es gibt teilweise Mannschaften, gerade in der Champions League hat es, wie heißt das Kroatien? Zagreb, genau.

Zagreb hat es gegen Flensburg 60 Minuten lang gemacht. 7 gegen 6. 60 Minuten und war damit erfolgreich. Und es gibt die andere Variante der Trainer, die sagen, auf gar keinen Fall. Also ich mache es auf gar keinen Fall. Ich spiele es nicht.

Weder in Unterzahl noch in Überzahl. Die verteufeln das. Und genauso sagen manche Handball-Experten, ja, ich kann mir das nicht angucken mit diesem 7 gegen 6, dieser Einermann mehr, das ist kein Handball mehr, diese Tore ins leere Tor, das hat mit Handball nichts zu tun, das macht den Sport kaputt und die anderen sagen halt, es gibt nichts Besseres. Warum ist Zagreb so erfolgreich?

Ist der Wechsel gut getimt? Sind die da besser, das leere Tor wieder zu machen? Die haben das gegen Flensburg. Und da hat es super funktioniert.

Und da hatten die ein richtig gutes Timing. Die haben natürlich einen Trainerfuchs und ein, zwei erfahrene Spieler, die da halt wenig Fehler machen in diesem Spiel. Also so Ballermänner kannst du da nicht wirklich brauchen, die also halt den Ball nehmen und gerne aufs Tor werfen. Es muss schon geplant sein, weil du bist ja tatsächlich ein Mann mehr.

Und wenn du das gut timest und dann noch ein bisschen Glück mit dabei ist, weil die Bälle dann halt öfters auch mal reingehen und du wenig Fehlwürfe hast, dann ist das erfolgreich. Die haben das jetzt nicht die ganze Champions League durchgezogen, aber punktuell in ganzen Spielen dann halt eingesetzt. Das gab es immer wieder auch. Also wir haben das damals unter Markus Bauer auch in längeren Phasen dann mal gespielt oder auch mal zu Beginn vom Spiel mal probiert, wie gut es läuft, ob man da gut reinkommt.

Und wenn du da halt erfolgreich bist, dann spielt man es halt vielleicht doch nochmal ein, zwei Angriffe länger. Weil wenn du halt zwei Angriffe machst und zweimal ins leere Tor kriegst, dann ist es meistens so, dass man dann sagt, okay, wir lassen es dann mal lieber heute. Ist von vielen Faktoren abhängig. Zagreb hat natürlich auch das als Mittel genommen, weil sie einfach nicht diese Top-Qualität der Spieler haben.

Und auch in der Bundesliga ist das aufgefallen, dass es dann doch eher die unterlegeneren Mannschaften öfters und gerne machen, als die Mannschaften, die am Ende des Tages an der Tabellenspitze stehen. Fußball passiert das ja auch nur. Man ist hinten, muss unbedingt noch gewinnen oder unentschieden und dann Torwart redt nach vorne. in der letzten Minute des Spiels. Klassiker für den Eckball.

Dass es so praktiziert wird. Das Handball ist der einzige Teamsport, oder? Ja, also bei anderen Sportarten sehe ich es auch irgendwo nicht, dass es Sinn macht. Natürlich, im Eishockey gibt es die Zeitstrafen, wie im Handball auch.

Dann hast du das Powerplay, dann ist man aber kein Spieler mehr. Da könnte ich es mir noch vorstellen, aber in der Verteidigung macht es ja keinen Sinn, den Torhüter rauszunehmen für den Spieler mehr. Und im Eishockey fallen einfach auch zu wenig Tore. dass es dann nachher Sinn macht. Weil wenn ich dann einen Empty Netter kassiere, den hole ich halt nicht so schnell auf, einen Empty Netter am Handball.

Also wenn der Ball ins leere Tor geht, das ist schon verkraftbarer. Im Fußball ja genauso. Also da macht er auch durch diese Größe des Spielfeldes und durch diese taktische Ausprägung und durch diese hohe Qualität in den Top-Ligen macht es ja keinen Sinn, ein Spieler mehr zu sein. Weil sonst würde er ja immer, wenn es eine rote Karte gibt, die Mannschaft in Überzahl gewinnen.

Aber meistens ist ja dann sogar noch das Gegenteil der Fall, weil die Mannschaft in Unterzahl sagt, ich muss die R noch mehr zustellen ich laufe doch nur einen Schritt mehr und ich ziehe dann doch nochmal den Sprint mehr an wie die Mannschaft in ist wo dann denkt okay ich spiele es leicht aus das passiert ja nie weil die verteidigende Mannschaft in Unterzahl das trotzdem immer noch relativ gut verteidigen kann Und das ist im Handball, wenn ich überlege, die einzige Sportart, wo ich sage, macht Sinn, auch im Basketball. Und man mehr. Das heißt also, ich habe jemand wie Steph Curry, der eine hohe Dreierquote hat oder James Harden.

Ich steuere das Spiel so, dass der dann immer irgendwo einen komplett freien Wurf hat und immer nur Dreier wirft. Ich glaube, das würde das Spiel komplett kaputt machen. Da ist die Dynamik eine andere.

Persönlicher Hintergrund und frühe Sportkarriere

Hast du schon einen anderen Teamsport gespielt oder warst du von Anfang an Handball und hast dich durchgezogen? Also ich bin, also zum Handball kommt da halt in meinem Heimatdorf, wo ich aufgewachsen bin, gab es keinen Fußball, also keine Konkurrenz. Also bin ich natürlich mit allen Kumpels zum Handball gegangen. Und das ist so der einzige Sport, den ich eigentlich von klein auf, mehr oder weniger mit sechs oder so durfte ich da anfangen, fünf oder sechs.

Du hast aufgewachsen? In Wiesgoldingen. Das ist so ein kleines Dorf zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen. Das ist so das, was die meisten irgendwo kennen.

Hat 1500 Einwohner. Da bin ich aufgewachsen. Und bin dann mit 16 oder mit 15 wurde damals die Handballakademie in Göppingen gegründet. Und dann war ich da schon so in diesem erweiterten Blickfeld von Frischauf und habe dann schon mit 15 auch bei dieser Zweitligamannschaft mitranieren dürfen.

Okay, und dann mit 17 schon das erste Mal auf der Bank gesessen in der Bundesliga? Genau. Mit 17 waren dann die ersten Schritte in der Bundesliga, beziehungsweise hauptsächlich im Trainingsspiel habe ich jetzt nicht so viel gemacht. Immer so ein paar ganz kurze Kurzeinsätze, so ganz am Ende vom Spiel.

Ich war auf dem Spielfeld, ole ole. und dann bin ich von frisch auf dann relativ zügig auch nach Bittenfeld, hieß es damals noch dritte Liga und dann sind wir innerhalb von zwei Jahren in die zweigleisige zweite Liga aufgestiegen, haben da uns kontinuierlich nach oben gearbeitet, dann gab es diese Qualifikation für die eingleisige zweite Liga, die haben wir relativ souverän geschafft und haben dann glaube ich nochmal vier Jahre zweite Liga gespielt, bis wir dann den Aufstieg in die Bundesliga realisiert haben. Andere Teamsportarten. Ich habe natürlich Fußball gespielt. Mein Vater war lange Jahre Fußball-Torhüter bis in die Oberliga, damals höchste Amateurklasse.

Und habe das nat parallel alles gemacht Ich war Fu Handball und Schwimmen Und habe au Sport eigentlich nicht mehr viel gemacht Die Schule war so ein Zwang nebenher den ich dann nat auch noch irgendwie machen musste Und war dann aber relativ schnell klar ich h Handball ich h Schwimmen und Fu wieder auf und konzentriere mich auf eins. Und das hat sich dann am Ende des Tages natürlich ausgezahlt. Finanziell hätte ich vielleicht doch Fußball wählen sollen, aber nee, das passt alles, wie es war. Wie lange hast du hier gespielt?

Das sind über zehn Jahre. Also das ist jetzt, durch die abbruchene Corona-Saison waren es 16 Jahre beim TVB. Das ist eine lange Zeit.

Der Aufstieg des TVB Stuttgart

Der TVB hat ja auch so ein bisschen so eine Hero-Story. TVB hat angefangen in der, was ist das, 5. Liga gewesen? Ja, also die sind innerhalb von 10 Jahren, wenn mich nicht alles täuscht, von der 5. in die Bundesliga aufgestiegen.

Also da ging es relativ zügig. Es gab damals die Vision von Günter Schweikart, der gesagt hat, ich möchte mit dem TVB Bundesliga spielen. und das wurde dann damals wohl an den Stammtischen erzählt und haben halt alle gelacht. Damals war der TVB fünfte Liga, niemand hatte den TVB auf der Landkarte und seine Söhne, Michael und Jürgen, waren ja dann da in der Jugend und dann gab es noch ein, zwei andere, die da in dem Jugendbereich gespielt haben und mit denen ist man dann irgendwann in den aktiven Bereich gegangen und ist dann mehr oder weniger von der fünften Liga Jahr für Jahr aufgestiegen bis in die dritte Liga.

Ich glaube, die dritte Liga war dann das erste Jahr, wo sie zwei Jahre spielen mussten. Hat das Ganze dann aber immer ergänzt mit, dass ich war mehr oder weniger einer der Ersten, der von außerhalb kam. Also da war eigentlich, man setzt auf die eigene Jugend 100 Prozent und maximal aus dem Nachbardorf darf noch jemand kommen. Und ich war dann mehr oder weniger einer der wenigen Spieler, die von weiter weg kamen.

Wir waren damals württembergischer Meister und süddeutscher Vizemeister in der Jugend. Dann hat mich der TVB damals angerufen und dann ging es eigentlich relativ schnell. Ich hatte damals eigentlich schon bei einem anderen Verein mündlich zugesagt und eigentlich stehe ich zu dem, was ich sage. Meine ganzen Freunde von der Auswahlmannschaft, also von der HVW-Auswahl, waren ja bei Bittenfeld. und dann hat mich Bittenfeld angerufen und dann hat man damals wahrscheinlich den ersten Amateur-Trade von Spielern gemacht, den es jemals gab.

Man hat einen Kreisläufer von Bittenfeld zu Rems Halden, also zu der Mannschaft, wo ich eigentlich zugesagt habe hingeschickt und konnte mich dann daf verpflichten Also das war ja in einer so einer Nacht weil ich eigentlich mit meinem damaligen Partner der mir die Bälle in meinem Kreis gespielt hat, in Rems halten zugesagt hatte. Und ich sagte Mittwochabends zu und Donnerstagmittags hat mich der TVB angerufen. Und dann ging das relativ schnell und montags war ich dann Vertragsspieler bei dem TVB oder TVBittenfeld damals noch.

Balance zwischen Profi-Handball und Beruf

So heißt da warst du dann Profi? Also ich war nie komplett Profi, ich habe immer nebenher gearbeitet, weil Verletzungen machen natürlich dem einen oder anderen Spieler dann einen Strich durch die Rechnung. Anfänglich war ich relativ lange verletzungsfrei und dann ging es los mit kleinen Fingerbrochen, Mittelhandbruch, Innenbandriss, Kreuzbandriss, Syndesmosebandriss, Adduktorenabriss. Und jetzt letztes Jahr im September habe ich einen Brustmuskelriss zugezogen.

Also das waren so die größten Verletzungen, die ich hatte in meiner Karriere. Da gab es natürlich immer noch mal den ein oder anderen Bänderriss oder mal die ein oder andere Geschichte aus muskulären Gründen, warum du nicht spielen konntest. Also ich hatte jetzt wenig oder eigentlich erst nur zwei Muskelfaserrisse oder so, aber klar Pferdekuss oder sowas passiert dann schon mal und dann kann man mal zwei, drei Tage nicht laufen. Aber dann beißt man sich dann schon durch und spielt damit.

In Stuttgart war es der Einzige, der einen richtigen Job nebenher hatte, oder? Jetzt am Ende hin ja. Also in diesem Zuge, Aufstieg, Erste Liga, weitere Professionalisierung. Also man hat ja dieser Schritt, dritte Liga, zweite Liga, erste Liga, man kam ja wirklich aus dem absoluten Amateursport.

Und dieses Umfeld musste erstmal mitwachsen und das hat relativ lange gedauert. Also beziehungsweise der sportliche Aufstieg war viel, viel schneller, als der strukturelle Aufstieg möglich war. Also die ersten Jahre war der VIP-Bereich in der zweiten Liga. Es gab in der Bittenfelder Gemeindehalle so eine kleine Bühne, wo eine Aufführung immer war von den Schulkindern.

Und man saß hinter dem Tor, also eigentlich von der Sicht her relativ schlechte Plätze. Da gab es dann Bier aus dem Kühlschrank, Cola, Fanta und ein paar Wurstwecken zum Essen. Das war damals der VIP-Bereich. Und jetzt heute ist Catering von Sterneköchen.

Also das war schon ein relativ großer Entwicklungssprung. Damals waren natürlich auch noch Leute, die gearbeitet haben, viele Studenten. Und jetzt zum Ende hin war ich der Einzige, der gearbeitet hat. Und sogar noch zwei Jobs.

Es gab auch Phasen, wo ich nebenhand noch zwei Jobs hatte, wo ich nebenher dieses Personal-Trainer-Business aufgebaut habe und habe ich natürlich noch nebenher bei der Stadt gearbeitet bzw. gelangt. habe ich Sozialversicherungsfachangestellter bei einer Krankenkasse. Und ja, dann war irgendwann der Fahraufwand relativ groß, zwischen zweimal Training am Tag in Stuttgart-Bittenfeld und Schwäbisch-Gmünd. Und dann habe ich gesagt, ich muss mir irgendwas in der Gegend suchen, halbtags. Und habe dann halbtags bei der Stadt in Weibling gearbeitet.

Ein Personal Training Business, das ein Studio, wo du Personal Training und Kleingruppentraining anbietest, zusammen mit dem Physio. Ja, das ist so nicht mehr der Fall. Also der Physio hat ein Angebot gekriegt von der ATP World Tour und darf Roger Federer, Rafa Nadal und so betreuen. Kann ich verstehen, dass man diese Chance, die wahrscheinlich nur einmal kommt, dann auch wahrnimmt und die Gelegenheit beim Shop vergreift, weil die ATP hat, ich glaube, zehn festangestellte Physios, die weltweit die großen Turniere abdecken.

Und wenn du einer davon sein kannst, macht es schon Sinn, das mal zu machen. Was natürlich damit verbunden ist, du bist viel auf Reisen und Sieger war was von der Welt natürlich. Wie lange hast du das Studio jetzt schon? Angefangen habe ich 1.3.2015 und hauptberuflich mache ich es jetzt, also wo ich wirklich sage, okay, den ganzen Tag bin ich nur dafür da, seit 1.7.2019.

Übergang in das Leben nach dem Profisport

Und jetzt quasi die letzte Saison, hast du in der zweiten Mannschaft gespielt, Stuttgart. Genau. Da kommen jetzt noch die eine oder andere Saison, quasi die Handball-Carry ausklingen lassen und dann voller Fokus auf... Genau, also der Fokus ist jetzt natürlich schon voll auf das Bewegungsmuster, weil ich, ja, durch diesen Amateursport habe ich ja natürlich nicht zweimal am Tag Training, sondern eher so zwei, dreimal die Woche, was natürlich viel, viel mehr Zeit für andere Dinge lässt.

Aber tats verr h ich mir am Anfang auch nicht vorgestellt dass ich erstmal lernen muss wieder mit der Zeit umzugehen Weil ich einfach gesagt habe okay ich gehe morgens zur Arbeit dann habe ich zweimal Training und dann gehe ich abends zur Arbeit Also morgens Stadt, Training, Bewegungsmuster, wieder Training und abends nochmal Bewegungsmuster oder mittags nochmal zur Stadt. Und jetzt auf einmal habe ich ganz andere Möglichkeiten, auch an den Wochenenden. Da sind die Auswärtsspiele in Nimmer in Kiel, was natürlich schade ist, weil die Stimmung in der Halle war schon gut. Da sind die Auswärtsspiele drei, vier Ortschaften weiter.

Da habe ich dann danach noch Zeit, da habe ich davor noch Zeit. Also es ist ein ganz anderes Zeitgefühl, das ich erstmal wieder richtig lernen muss, wieder richtig reinzufinden in das Ganze. Weil einfach dieser Leistungsdruck nicht mehr so da ist. Also ihn gibt es noch, aber nicht mehr so da ist wie damals zu Erstliga-Zeiten.

Karriere-Highlights und die Top-3-Momente

Wenn du zurückdenkst an deine Karriere, diese plus minus 20 Jahre Handball auf höchstem Niveau, was war so das eine Spiel, wo du jetzt noch dran denkst und denkst, boah. Boah, das auf ein Spiel einzugrenzen ist schon richtig hart. Ich mag ja die Dreierfragen. Der Top 3, der Aufstieg von der zweiten in die erste Liga.

Ja, wenn ich ein Spiel nennen müsste, würde ich tatsächlich das Spiel in der Bittenfelder Gemeindehalle nennen, das mehr oder weniger den Aufstieg in diese zweite Liga klargemacht hat. Wir waren drei Tore hinten zum Schluss und kämpfen uns ran. Es waren nur noch zweieinhalb Minuten und der Gegner Konstanz verliert kurz vor Schluss nochmal den Ball. Wir gehen nach vorne, nehmen eine Auszeit, das sind noch zehn Sekunden.

Und Jürgen Schweiker, der jetzt Geschäftsführer und Trainer ist, hat damals noch gespielt und war derjenige der mir die B immer reingespielt hat Und es war eigentlich klar wir versuchen es die Zweierkombi Entweder er wirft oder legt er den Ball an den Kreis Und dann hat Konstanz eine Mann gemacht und das was wir vorhatten war nicht mehr m Und auf der anderen Seite, mein Rückraumrechter, der Patrick Rote damals, der hatte dann auch den Einfall, wir könnten es auf der anderen Seite probieren und er hat den Ball dann auch nachher zu mir reingespielt und ein Stück weit zu weit nach vorne und ich hechte nach dem Ball und fauschte den praktisch in der Luft liegend am Torhüter vorbei, was dann tatsächlich zwei Sekunden vor Schluss das entscheidende Tor zum Eintore-Sieg war.

Und das wäre das Spiel, wo ich sagen würde, das war das, was mir so am meisten in Erinnerung blieb. Danach war noch das letzte Spiel, auswärts in Altensteig, da musste nur noch in Anführungszeichen ein Punkt geholt werden oder im besten Fall gewonnen werden, um den Aufstieg endgültig zu fixieren. Aber der größte Konkurrent war in dem Moment Bad Neustadt und Konstanz. und das Heimspiel gegen Konstanz, hätten wir das verloren, wären wir wahrscheinlich damals nicht aufgestiegen. Das wäre so das entscheidende Spiel, wo ich sage, und wahrscheinlich auch die beste Situation.

Eine ähnliche Situation gab es dann erstes Jahr, Zweite Liga, letzter Spieltag. Wir spielen auswärts bei einem etablierten Zweitligisten in Hüttenberg, müssen unbedingt gewinnen. Gleichzeitig muss der TV Kirchzell bei einem etablierten Zweitligisten in den jetzigen Eulen Ludwigshafen, damals noch TSG Friesenheim, Die müssen dort verlieren und wir müssen gewinnen. Und auch da habe ich einen relativ entscheidenden Wurf kurz vor Schluss.

Wir waren zwei Tore vorne und ich treffe den Ball. Wir sind mit drei Tore vorne. Gleichzeitig hält damals noch der Jürgen Müller einen entscheidenden sieben Meter hinten im Tor. Und wir sitzen da vor den Telefonen weil einer von den Fans in Ludwigshafen in der Halle war Und dort ist die Entscheidung auch praktisch in letzter Sekunde gefallen Die verlieren wir gewinnen was eigentlich keiner f M hat und wir bleiben in der zweiten Liga Das wäre so das Spiel Nummer zwei oder dieser zweite Moment, dieses Spiel, wo ich sage, das sind so die Top-2-Momente und dann natürlich dieser Aufstieg in die erste Liga und kurioserweise der Nichtabstieg aus der zweiten Liga wieder in die dritte Liga in Hüttenberg.

Gleichzeitig Start oder Aufstieg in die erste Liga realisiert worden. Wir gewinnen in Hüttenberg mit, ich glaube, 28-24. Kein gutes Spiel, aber wir steigen auf. Es sind keine Ahnung, 500-600 Bittenfelder in der Halle und wir kommen nach Bittenfeld.

Das war sowieso immer sensationell nach dem Aufstieg in die zweite Liga. Fackelzug zum Vereinsheim hoch und also wirklich eine Woche lang durchgefeiert bei Sponsoren auf dem Hof und auch das mit der ersten Liga unbeschreiblich, diese Busfahrt danach, wenn man dann einfach da im Bus sitzt und einfach weiß, okay, man ist jetzt in die wahrscheinlich stärkste Liga aufgestiegen und hat das mit seinem Verein geschafft, also wenn das damals jemand gesagt hätte, ich spiele mit dem TVB oder mit dem TV Bittenfeld damals erste Liga, hätte ich gesagt, ja, schön wär's und dann kommen diese großen Duelle, also klar ist es toll, in den großen Hallen zu spielen und gegen seine Idole oder gegen Mannschaften zu spielen, die international unterwegs sind, aber das wären so meine drei Top-Momente.

Also das Heimspiel gegen Konstanz würde ich an eins setzen, der Klassenerhalt in Hüttenberg an zwei und der Aufstieg in Hüttenberg in die erste Liga an drei wären so meine drei Top-Momente. Alright, das war die erste Hälfte meines Gesprächs mit Simon. Die zweite Hälfte folgt in der nächsten Episode.

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