Die Ineffizienz des Nachrichtenkonsums
Nachrichten zu lesen, ob früher in Form der Tageszeitung oder heute in Form von News-Apps gehört zur Allgemeinbildung. Das haben die meisten schon mal gehört oder zumindest gedacht. Im Fitnessbereich bedeutet das so viel wie, via einiger Fitness-News-Websites und natürlich Social Media up-to-date zu bleiben. Zu wissen, was es so Neues gibt, hat jeder schon mal gemacht, machen immer noch viele.
Ich kann mich zurückerinnern, als ich vor 15 Jahren mein BWL-Studium begonnen habe und zu Beginn des ersten Semesters habe ich die Zeit abonniert. Die Zeit, hochwertige News. Genau das habe ich gedacht, braucht man unbedingt als BWL-Student mit Ambitionen. Es hat nur wenige Monate gedauert und ich habe aufgehört, die Zeitung zu lesen und habe dann auch direkt wieder mein Abo abbestellt.
Warum? Es war interessant, jedoch war mir schnell klar, dass es mich weder wirklich weiterbringt, noch groß zum Erfolg meines Studiums beiträgt. Es war einfach ineffizient. Gut 10 Jahre später bin ich über ein Essay des Schweizer Autors Rolf Dobeli gestoßen.
Der Titel war Avoid News Towards a Healthy News Diet. Auf 11 Seiten beschrieb er pragmatisch und auf Fakten basierend, warum es sehr wenig bis keinen Sinn macht, News zu konsumieren. Potenziell ist der Schaden der News sogar höher als ihr Benefit.
Psychologische Auswirkungen von News und Stress
Einer der interessantesten Studien, auf die ich vor einigen Jahren gestoßen bin, hat sogar gezeigt, dass Personen, die mehr als 4 Stunden Berichterstattung im Fernsehen über den Bombenanschlag auf den Boston Marathon geschaut haben, ein größeres Risiko für PTSD, das posttraumatische Stresssyndrom hatten, als Personen, die tatsächlich bei dem Anschlag vor Ort waren. Soviel zum Thema Stress, News und der Einfluss auf unsere Psyche.
Fitness Fake News und Social Media Trigger
Was hat es mit Fitness zu tun, wird sich jetzt der eine oder andere fragen. Wie viele, die sich für Training und Ernährung interessieren, konsumieren News zu den beiden Themen? Und die Frage die in dem Kontext als erstes klar werden sollte ist wie viele dieser vermeintlich wichtigen News sind tats konstruktiv Sprich wie viele dieser News wirken sich tats positiv auf unser Training und unsere Ernährung aus. Und umgedreht, wie viele vielleicht sogar destruktiv.
Vor allem News über Social Media, verpackt in kleinen, leichtverdauerlichen Herbchen, unterlegt mit Bildern und Videos, die unsere Neurochemie triggern, Dopamin ausschütten und oft dafür sorgen, dass wir sogar mehr Fitness-News konsumieren, als tatsächlich zu trainieren. Vermeidlich neue und revolutionäre News, die meist nur Altbekanntes fehlrepräsentieren, anstatt tatsächlich fundiert und ergebnisorientiert zu sein. Quasi Fitness-Fake-News. Der Post-Workout-Shake soll nicht mehr direkt im Anschluss ans Training getrunken werden, sondern erst 30 Minuten später, um die Absorption des Proteins zu verbessern.
BCAAs sind wertlose Supplements. Hipthrusts sind besser für die Sprintschnelligkeit als Kniebeugen. Stretchy auf keinen Fall dein Hüftbeuger. Rotes Fleiß ist schädlich.
Und das ist die neueste Übung für einen besseren Hintern. Social Media Sternchen X ist jetzt mit Ivan Instagram zusammen. Und Ivan Instagrams Ex-Freundin macht gerade Urlaub auf Bali. Und auf Bali gibt es jetzt ein neues Gym. das das Beste der Insel sein soll.
Solche News kennt jeder, hat jeder schon mal gelesen, hat jeder schon mal verfolgt, hat jedoch nachweislich, wie viel zum eigenen Trainingserfolg beigetragen. Die rationale Antwort ist, fast nichts.
Die Kluft zwischen Social Media und echtem Training
Zudem, Fitness-News repräsentieren nicht die reale Welt des Trainings. Beispiel, die Freundin von einem Trainerkollegen von mir hat 1,6 Millionen Follower auf Instagram. Ihr tatsächliches Training besteht primär aus Kniebeugen, Kreuzheben und Klimmzügen. Wenn Sie jedoch ein Video von Kniebeugen postet, bekommt Sie nur 10.000 Views.
Wenn Sie dahingegen ein Video von einem Booty Circle mit Minibands postet, bekommt Sie 60.000 Views. Obwohl Sie eigentlich so gar nicht trainiert. Ihre Trainingserfolge basieren primär auf Kniebeugen, Kreuzheben und Klimmzügen. Davon postet Sie doch recht wenig.
Warum? Weil es nichts Neues ist. und was nicht neu ist interessiert ihr auch nicht wirklich Und am Ende ist ihr Ziel nicht direkt zu repr was sie und wie sie wirklich trainiert sondern sie will viel Interaktion und viele Follower Und eben nicht ihr tatsächliches Training online darstellen. Wäre auch genau genommen recht langweilig. Kniebeugen kennt ja eh schon jeder und anstrengend sind sie auch.
Fitness News repräsentieren damit nicht die reale Welt des Trainings. Fitness News präsentieren primär Content mit einem großen Ziel. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Klicks. War früher mit Tageszeitungen nicht anders.
Sonderausgaben zu einem aktuellen Ereignis oder eben eine grelle Headline verkaufen sich einfach besser als irgendein Bericht über irgendwelche Ideen zur Reform des Bildungssystems. Langweilig. Und News sind oft irrelevant und unproduktiv. Von den letzten tausend Artikeln und Posts, die du über Training gelesen hast, Nenn mir 10, basierend auf denen du wirklich was verändert hast, das dein Training tatsächlich und nachweislich vorangebracht hat.
Wird schwierig, bist unmöglich.
Die Motivationsillusion und kognitive Belastung
Der eine oder andere wird jetzt denken, okay, richtig. Nichtsdestotrotz, es unterhält und motiviert mich. Guter Punkt, so einfach ist es jedoch nicht. Denn der Konsum von Trainings- und erinnerungsrelevanten Content, auch unter dem Vorwand, dass es einfach nur Unterhaltung und Motivation ist, hat einen destruktiven Effekt. denn er wird Training und Ernährung beeinflussen.
Jedes bisschen Information, das wir konsumieren, kostet im Hirn zumindest für den Moment Miete. Und das Budget, das wir für Training und Ernährung haben, ist begrenzt. Je mehr Unterhaltung, je mehr vermeintliche Motivation man konsumiert, desto weniger Budget und Bandreite bleiben für tatsächlich wichtigen Content, der das Training und Ernährung tatsächlich voranbringt. Und zur vermeintlichen Motivation via Fitness-News-Konsum sollte sich auch jeder die Frage stellen, wie oft und nachhaltig motiviert es mich tatsächlich auf Fitnessseiten und Fitness-Social Media zu stöbern.
Jeder, der das rational betrachtet, kommt zu einer nüchternen Antwort. Motivation via Fitness-News-Konsum ist weder nachhaltig, noch funktioniert es in den meisten Fällen. Dies ist mittlerweile sogar mehrfach untersucht und nachgewiesen Ziel einer Website oder von Social Media ist es prim die Zeit die du dort und nicht im Gym verbringst zu steigern
Neurochemische Folgen: Dopamin und Cortisol
Aus neurochemischer und hormoneller Sicht sind Fitnessseiten und Social Media ebenfalls für das eigene Training von Nachteil. Breiträge sind kurz, catchy, grell und triggern primär den Neurotransmitter Dopamin und das Stresshormon Cortisol. Beide sind für ein gutes Training und optimale Regeneration entscheidend. Triggern wir beide jedoch zu häufig, reduzieren wir den Spiegel im Hirn und im Körper.
Wenig Dopamin zeichnet sich unter anderem durch einen geringen Antrieb, sprich Trainingsdrive und damit Müdigkeit aus. Dopamin ist gleichzeitig entscheidend für den Lern- und Trainingseffekt, wie ich ihn auch in der Episode des Podcasts mit Dr. Frieder Deck im Detail besprochen habe. Wir brauchen Dopamin, um zu trainieren.
Wir brauchen Dopamin, um motiviert und mit Drive ins Training zu gehen. und wir brauchen Dopamin für einen großen Trainingseffekt. Wenig Dopamin bedeutet ein schlechtes Training. So einfach. Fast das gleiche trifft auf Cortisol zu.
Cortisol ist Stresshormon. Cortisol ist das Hormon der Energie. Wir brauchen Cortisol während dem Training für Energie und Muskelkontraktion. Das Cortisol-Level ist proportional zu unserer Fähigkeit, Muskel zu rekrutieren und damit Muskel zu aktivieren und damit Muskel tatsächlich zu trainieren. und damit, wie gut ein Training läuft.
Wenig Cortisol bedeutet direkt schlechtes Training. So einfach. Und das sind nur ein paar von viel mehr Punkten, warum ich Fitness News, Fitness Websites und Social Media meide und warum sie sich negativ auf das eigene Training auswirken. Im Rahmen meiner Fitness News Bié macht es Sinn, den Fitness News Konsum zu limitieren und auf Seiten und Medien zu beschränken, die Gedanken anregen, statt Dokument vorzugeben, die die eigene Kreativität fördern, statt mit einer neuen, vermeintlich besten Übung zu wedeln und die tatsächlich das eigene Training und die eigene Ernährung besser machen, anstatt nur für Unterhaltung und Verwirrung zu sorgen.
In diesem Sinne, viel Erfolg beim Training und bis zur nächsten Episode.