TWUP 81

TWUP 81 — Das eine Trainings-Buch, das ich empfehle

Wolfgang Unsöld kritisiert die mangelnde Praxisrelevanz moderner Trainingsliteratur, die oft von Theoretikern oder zu Marketingzwecken geschrieben wird. Er plädiert für die Rückbesinnung auf Literatur aus der Zeit vor 1990 und stellt ein konkretes Werk vor, das echte Kraftentwicklung in den Fokus rückt.

Kernpunkte

Der Qualitätsverlust moderner Krafttrainingsliteratur

Wie ist die Krafttraining? veröffentlicht wurden. Und das bitte als grobe Richtung verstehen und nicht auf das Jahr genau nehmen. Die beiden Hauptgründe dafür sind folgende. Zum einen, dass in den vergangenen Jahrzehnten primär Theoretiker Bücher zum Thema Krafttraining geschrieben haben, die keinen beziehungsweise einen beschönigten Track Record haben.

Deshalb fehlt diesen Büchern die Praxisnähe, die technische Kompetenz, tatsächliche Innovation und weitere Aspekte, die tatsächlich Wert vermitteln. Solche Bücher führen teils bei Anfängern und Trainierenden mit wenig Kraft und Muskelmasse zu Fortschritten, sind jedoch am Ende zu unzuverlässig und führen auf einem Niveau mit mehr Kraft und mehr Muskelmasse selten zu erfolgen. Die sinnigsten Bücher, die es noch gibt, sind die, die Methoden, die vor der Jahrtausendwende entwickelt wurden, zusammenfassen. Und zum anderen werden zu selten Trainingsbücher geschrieben, die tatsächlich Einblick in Training geben, das nachweislich zu herausragenden Erfolgen geführt hat.

Wie zum Beispiel das Buch The Man, The Myth, The Legend von 1999, das einen Einblick in das Training von Ed Cohen, dem erfolgreichsten Powerlifter aller Zeiten gibt. Das ist ein Buch, das ich gerne empfehle, da es darlegt, wie er tatsächlich trainiert hat. Inklusive Trainingsplänen, die die Gewichte enthalten, die er verwendet hat. Ein Einblick, der Gold wert ist.

Die Diskrepanz zwischen Marketing und echtem Coaching

Auch heute gibt es noch erfolgreiche Trainer, deren Bücher jedoch nicht ihre tatsächliche Arbeit reflektieren. Vor gut 10 Jahren gab es ein populäres Buch zum Thema Core-Training, Athletik und Stabilit Zu der st Fehlinterpretation der Aufgaben des Cores und dem Mythos des Core an anderer Stelle mehr Mein Punkt zu diesem Buch ist jedoch der Inhalt ist Nonsens und ein keinsterweise Training das für Sportler auf hohem Leistungsniveau relevant ist. Es ist per Definition zudem kein Training, da es nicht konstant progressive Leistung steigert und an einem guten Tag nicht viel mehr als lockeres Aufwärmen ist.

Die Westside-Methode versus kommerzielle Trainingssysteme

Fast forward, einige Jahre später hatte ich eine Mahlzeit mit einem Trainer, der dieses Trainingssystem kennt. Und zwar nicht durch Hörensagen oder weil er mal drei Seminare dazu besucht hat, sondern weil er fast zehn Jahre lang der Leiter dieses Systems war. Da mir klar war, dass das, was in den Büchern präsentiert wird, so nicht funktioniert und damit der Erfolg entweder auf der vorherigen Entwicklung und definitiv Genetik der Athleten basiert oder einige Aspekte der Arbeit im Buch einfach fehlen, habe ich eine ganze Reihe von Fragen gestellt. Wie oft die Woche wird Krafttraining mit Langhandel und Kurzhandel durchgeführt?

Die Antwort war viermal. Wie ist das Krafttraining aufgeteilt? Die Antwort war ein Oberkörper-Unterkörper-Split, zweimal die Woche Unterkörper, zweimal die Woche Oberkörper. Die nächste Frage, was ist die Hauptübung für das Beintraining?

Die Antwort war meistens Kniebeugen, manchmal Kreuzheben. Und Oberkörper? Immer Bankdrücken. Wie sind die Sätze und Wiederholungen aufgeteilt?

Zweimal pro Woche Max Effort mit 1-3 Wiederholungen und zweimal pro Woche Dynamic Effort mit Fokus auf Speed oder Repeated Effort mit Fokus auf 10-15 Wiederholungen, vor allem wenn jemand Körper verlieren muss. Einige Fragen waren dann noch dazwischen und irgendwann kam ich zu dem Schluss und der Frage, das Ganze ist doch die Westside-Methode. Die Antwort, die ich dann bekam, war, ja, so ziemlich. Daraufhin ich, davon steht jedoch nichts in den Büchern und kommt auch in keiner der Ausbildung vor.

Die Antwort darauf war, ja, es ist ja auch die Westside-Methode und nicht unsere Methode, deshalb können wir das nicht promoten. In Kürze heißt das, wir promoten in unseren Büchern etwas mit Alleinstellungsmerkmal, das man branden kann statt das was wir tats mit unseren Athleten machen Was direkt die Relevanz und die Wertigkeit des Buchs nahe Null setzt Und das ist kein Einzelfall. Das kommt konstant vor. Gründe dafür gibt es einige.

Am Ende entwertet es jedoch das Buch und damit dessen Relevanz aus Sicht der Weiterbildung. Und das solches Branden eines Konzepts gibt es auch zu Genüge bei anderen Buchthemen, wie der Ernährung, die Sauerkrautstuppendiät, die Schokoladendiät oder schlank im Schlaf. So wie solche Ernährungsformen statistisch nicht nachhaltig sind und zu Erfolgen führen, so ist auch bei Trainingsformen, denen die technische Tiefe und der nachweisbare sowie reproduzierbare Erfolg in der realen Welt fehlt, nicht viel zu erwarten.

Literatur vor 1990 und die Rolle der Sportwissenschaft

Und das war bei Büchern zum Thema Training vor etwa 1990 anders. Damals wurden Bücher in erster Linie basierend auf Trainingserfolgen und erfolgreichen Trainingsphilosophien geschrieben, nicht um theoretische Modelle zu promoten. So wie die Aussage, Sportwissenschaft ist Sportgeschichte, wichtig ist, um Sportwissenschaft zu verstehen, denn Sportwissenschaft beweist immer nur Methoden, die sich in der Praxis seit 10 bis 20 Jahren schon bewiesen haben, kann man sagen, Trainingsliteratur, die nach den 90ern veröffentlicht wurde, sind Trainingsmärchen. Diese Literatur dient in erster Linie zur Unterhaltung und zum Marketing und weniger zur Bildung.

Das sind die primären Gründe, warum ich ältere Bücher zum Thema Krafttraining denen der letzten 20 bis 30 Jahren vorziehe. Wie bei der Ernährung gibt es auch nicht das eine Buch, das alle Fragen beantwortet, sondern in den besten Fällen ein Buch, das ein System oder Konzept aus einer oder mehreren Perspektiven betrachtet.

Buchempfehlung: Dinosaur Training von Brooks Kubik

Und das eine Buch, das ich seit 10 Jahren als erstes zum Thema Krafttraining empfehle und das auch ganz oben auf der empfohlenen Literaturliste der YPSI Trainerlizenz steht, ist Dinosaur Training von Brooks Kubik. Wie der Titel schon sagt, ist es ein Oldschool-Ansatz des Krafttrainings. Eisensport statt Neonfarben und Aerobikkursen Langhandeln statt modernen Maschinen ein Fokus auf Grund und Langhandeltraining Begeisterung f Fatbars und viel Griffkrafttraining Dev f Hypertrophie und einiges mehr Produktives und progressives Training steht im Vordergrund.

Die Realität langfristiger Kraftsteigerung

Kubik gibt auch einen guten Einblick in Fortschritt und Erfolge, im Speziellen in wie lange es dauert, tatsächlich stark zu werden. Es gibt wenige, die in zwei Jahren Training 180 Kilo auf der Bank drücken. Die meisten brauchen 2-3 Jahre fokussiertes Training um 140 Kilo zu drücken, ein weiteres konstant fokussiertes Jahrtraining um 160 Kilo zu drücken und dann nochmal ein Jahr mit demselben Fokus um 180 Kilo zu drücken. Konstanz ist der Schlüssel.

Wer nur ein halbes Kilo pro Woche mehr drückt, der drückt am Ende im Jahr 26 Kilo mehr. Und innerhalb von 3-5 Jahren führt das zu einer beachtlichen Leistung. 3-5 Jahren und nicht 3-5 Monaten. Gerade für Kraftentwicklung legt er einen großen Wert auf viele Sätze mit wenigen Wiederholungen. Ein Ansatz, der für dasselbe Ziel auch in meiner Arbeit ein zentraler Mittelpunkt für viele Trainierende ist.

Warum? Weil er verdammt gut funktioniert, um stärker zu werden.

Fazit und die Bedeutung selektiven Lesens

Dinosaur Training ist ein ausgezeichnetes Buch für mehr Einblick in die Grundlage des Krafttrainings, für Einsteiger und auch für Fortgeschrittene. Deshalb ist es das eine Trainingsbuch, das ich als erstes empfehle. In den Shownotes zu dieser Episode auf wolfgangunzold.de gibt es auch einen Link für alle, die das Buch bestellen wollen. Am Ende ist es eines von ein paar Dutzend Trainingsbüchern, die gute und wichtige Antworten geben.

Lesen ist wichtig. Eine effiziente und effektive Auswahl dessen, was man liest, ist wichtiger als das Lesen selbst. Denn neben einem Mindset für Training, das wie ein Fallschirm ist, ergo es funktioniert nur, wenn es offen ist, ist ein offenes Auge für Training, das tatsächlich zu Erfolgen führt, noch wichtiger. In diesem Sinne, liest Dinosaur Training und bis zur nächsten Episode.

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